Die Wehranlage von Stillfried blickt nämlich auf eine lange Forschungstraditionzurück. Im ersten Band der„ Forschungen in Stillfried" gibt Fritz Felgenhauerdaher einleitend einen ausführlichen und interessanten Überblick über die wissen-schaftliche Beschäftigung mit der Wehranlage, dem auch eine umfassende Biblio-graphie über Stillfried angeschlossen ist. Daraus geht hervor, daß MatthäusMuch, dessen Name durch Jahrzehnte mit Stillfried untrennbar verbunden war,der geradezu ein Monopol auf die Wehranlage beanspruchte, bereits 1874 auf die-se mit einer umfangreichen Abhandlung publizistisch aufmerksam machte. DieserUmstand bot 1974 den Anlaß, nicht nur ein großes Grabungsfest zu veranstalten( vgl. Karl Kaus, 100 Jahre Ausgrabungen in Stillfried, Bd. 2, 1976, S. 119 f.),sondern im Rahmen der Veröffentlichungen der Österreichischen Arbeitsgemein-schaft für Ur- und Frühgeschichte auch mit der neuen Reihe„ Forschungen inStillfried zu beginnen, für deren Herausgabe der Grabungsleiter Fritz Felgen-hauer verantwortlich zeichnet. Neben der erwähnten Forschungsgeschichte undder Bibliographie enthält der 1. Band auch einen Überblick über die zahlreichenim Raum Stillfried erschlossenen Fundstellen, den Clemens Eibner zusammen-stellte. Über die paläolithischen Funde berichten Wolfgang Heinrich( Bd. 1,S. 53-60) und Walpurga Weiser( Bd. 3, S. 5-14). Einen besonderen Stellen-wert nimmt im ersten Band natürlich auch die berühmte Tasse vom Typus Still-fried- Hostomice ein, die von Margarete Strohschneider einer genauen Bestim-mung unterzogen wird. Chemiker und Techniker liefern dazu ergänzende Analy-sen. Daneben werden aber auch Paläontologen, Geologen, Botaniker und Zoolo-gen herangezogen, um die Grabungsaufschlüsse und Funde auch von seiten dieserWissenschaften abzusichern. Daraus erkennt man die Bemühungen Felgenhauers,Stillfried zu einem Modellfall interdisziplinärer Forschung werden zu lassen. Indem Bestreben um eine ganzheitliche Erfassung des Siedlungsraumes von Still-fried wird der klassischen Archäologie eine wichtige Rolle eingeräumt. Personellliegt die Mitarbeit in den Händen von Gerhard Langmann, der in Band 1 einrömerzeitliches Tormodellfragment, in Band 2 die Reliefsigillata aus Stillfried undin Band 3 eine kleine Bronzestatuette mit mächtigem Phallus interpretiert. Das istüberaus bemerkenswert, weil sich hier womöglich ein Anknüpfungspunkt zu je-nem figuralen Flaschenbruchstück im Österreichischen Museum für Volkskundein Wien ergibt, das ebenfalls überdeutlich ein Phallusmännchen darstellt, das etwain die Zeit um 1400 zu setzen ist und das ebenfalls aus Stillfried an der Marchstammt. Vielleicht könnte die Mittelalterarchäologie, die in Stillfried von SabineFelgenhauer vertreten wird, nähere Aufschlüsse erbringen. In den„ Forschun-gen" sind jedenfalls ihre Grabungsergebnisse festgehalten. In den Kreis der ver-schiedenen Wissenschaften wurde auch die Volkskunde berufen, um an dem in-terdisziplinären Forschungsprojekt mitzuarbeiten, zu dem Károly Gaál im2. Band sein Konzept vorlegt. Man darf daher auch von volkskundlicher Seite ge-spannt den weiteren„ Forschungen in Stillfried" entgegensehen.
Franz Grieshofer
Jean Garneret Pierre Bourgin- Bernard Guillaume, La maison du Montag-non( Les maisons paysannes en Franche- Comté, Tome I). Besançon Folklo-re Comtois 1980, 557 Seiten, 942 Abbildungen( Pläne, Ansichten, Details, Kar-ten usw.), Groß- 8°.
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