Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
Einzelbild herunterladen
 

mals rief Berlin, und Professor Beitl wirkte von 1960 bis 1966 wieder an derFreien Universität. Seither war der Weg Beitls ein stetiges Wandern zwischen dereigentlichen Heimat Montafon und der Wahlheimat Berlin. Zuletzt lebte er in sei-nem Heim in Schruns- Außerlitz.- Beitl hatte sich seine erste Gattin und nach ih-rem frühen Tod auch seine zweite Frau aus Berlin geholt. Diese Ehen waren mitsechs Kindern gesegnet, unter ihnen Dr. Klaus Beitl, heute Direktor des Öster-reichischen Museums für Volkskunde und Autor mehrerer hervorragender Fach-bücher.

Für die Volkskunde bin ich ein guter, Schriftsteller', für die Schriftstellerei einguter, Volkskundler"", schrieb mir mein Freund Richard einmal, befragt, wie ersein Lebenswerk sehe. Es ist hier nicht der Ort, ein genaues Werkverzeichnis an-zuführen; ein paar wesentliche Titel mögen aber doch veranschaulichen, wie orga-nisch Dichtkunst und Wissenschaft bei Beitl stets verbunden sind: DeutscheVolkskunde und Deutsches Volkstum der Gegenwart"( 1933) ,,, Wörterbuch derdeutschen Volkskunde( zusammen mit Oswald A. Erich)"( 1936 bzw. 1974),,, Angelika. Ein Roman aus dem Montafon"( 1939 bzw. 1979), Der Kinderbaum( 1942), Franz Josef Vonbun: Die Sagen Vorarlbergs"( Neuausgabe 1950),,, Johringla( 1951 bzw. 1981), Im Sagenwald. Neue Sagen aus Vorarlberg"( 1953). Garben und Kränze"( Gedichte, 1973), Vom Havelland zum Val Ser-chio. Skizzen 1944/45"( Jahrzehnte später als Erinnerungsbuch veröffentlicht),,, Willkommen und Abschied"( Gedichte, 1975). Echte Volksbücher sind gewißdie Sagen Vorarlbergs" geworden. Der berühmte Heimatroman Angelika,aber auch die nicht minder packende Johringla sind dem Leserpublikum seiteiniger Zeit wieder zugänglich. Gerade junge Menschen bestätigen, daß sie, wieschon ihre Eltern, von der würzigen Klarheit der Beitlschen Sprache, von derprallen Leuchtkraft der Bilder eines leider schon verklingenden Montafons tiefbeeindruckt sind. Richard Beitl, der bedeutende Repräsentant VorarlbergerKultur, wurde mehrfach geehrt. Doch bis in seine letzte Stunde blieben menschli-che Schlichtheit und inwendige Demut die Lebensmaxime.

Richard Beitl wurde in seine geliebte Montafoner Erde gebettet. Nun ist derbisweilen ruhelose Wanderer des Geistes endgültig heimgekehrt. In die ehrlicheTrauer um eine der besten Gestalten Vorarlbergs mischt sich die Gewißheit, daßdas einmal geschriebene Wort seine Spur eingräbt über irdische Vergänglichkeithinaus...

Edgar Schmidt

Die Österreichische Zeitschrift für Volkskunde wird dem Verstorbenen dasnächste Heft als Gedenkschrift widmen.

Zum Ableben des Hinterglasbildforschers Friedrich Knaipp

Am Karfreitag, dem 6. April, ist in seiner Wahlheimat Gmunden am Traunseeder gebürtige Wiener Friedrich Knaipp in seinem 75. Lebensjahr( geb. 2. Septem-ber 1907) unerwartet gestorben. Sein Bildungs- und Lebensgang führte über denBesuch der Volksschule in Mödling und Wien I. bald an die Mittelschulen vonGmunden, Horn und Berlin. Der Wechsel ergab sich aus den beruflichen Verhält-

137