Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Krempel, Dreschmaschinen, Göpel, Walke, Stock- und Breinmühlen im Bezirks-museum und Parkschlößl Spittal/ Drau; Farbmühlen, Latschenölbrennanlage,Ziegelpresse, Hadern- und Fliesenpressen, Dieselmotor, Radioentwicklung,Buchdruckerei im Handwerksmuseum Baldramsdorf; Holztransport- und Floẞ-

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modelle, Fischplätten, Paddel- und Ruderboote im Hof des FischereimuseumsSeeboden.

Helmut Prasch

Richard Beitl ruht in Montafoner Erde

Professor Richard Beitl, Korrespondierendes Mitglied des Vereins für Volks-kunde in Wien und Inhaber der Michael- Haberlandt- Medaille für besondere Ver-dienste um die österreichische Volkskunde, ist am 29. März 1982 in Schruns imMontafon im 82. Lebensjahr gestorben. Aus seiner Heimat, wo er in den beidenletzten Jahren seinen ständigen Aufenthalt hatte, erreicht uns der Nachruf desjungen Vorarlberger Germanisten- Kollegen Dr. Edgar Schmidt:

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Willkommen und Abschied" heißt ein Gedichtband von Richard Beitl. Manhätte das Motto über jenen schönen Abend des 21. November 1981 setzen kön-nen, an dem der große Sohn des Montafons nach vielen Jahren der schöpferischenZurückgezogenheit wieder vor ein Publikum trat. Im Schrunser Dichterstöblientbot eine frohgestimmte Hörerschar dem vitalen alten Herrn einen überausherzlichen Willkommensapplaus. Daß die innig- familiäre Stunde der Begegnungzugleich zum Abschied von Richard Beitl wurde, konnte damals wohl niemandahnen. War der im 82. Lebensjahr stehende Dichter doch voll Lebensfreude, ver-schenkte selbst für Freunde unerwartet- mit spitzbübischem Charme köstlicheDialektpointen und fühlte sich sehr glücklich über die Zuneigung der Schrunser.Der Winter schwächte aber dann allmählich die Kräfte Richard Beitls, und derFrühling, den er in der Funkenszene seiner Angelika" so eindringlich beschwört,brachte ihm nicht mehr neues Erwachen, sondern einen sanften Heimgang.

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Professor Dr. Richard Beitl wurde am 14. Mai 1900 in Schruns geboren, die El-tern stammten aus der Steiermark bzw. aus Tirol. Die Stella Matutina in Feld-kirch, heute schon Geschichte, vermittelte ersten Umgang mit Geist und Kultur.Jugendliche Versuche in der Dichtkunst fielen in die Zeit der jesuitischen Ausbil-dung. Das Universitätsstudium begann Beitl in Wien, er verließ aber schon nachzwei Semestern die hohe Schule, um in Berlin weiterzustudieren. Germanistik,Kunstgeschichte und Völkerkunde usw. wurden von so bedeutenden Persönlich-keiten wie Petersen, Roethe oder Eduard Spranger vermittelt. Richard Beitl pro-movierte 1927 mit einer Dissertation über Goethes Bild der Landschaft.

Vorerst noch nicht Wissenschafter, wirkte er als Jugendpfleger und Mitarbeiterim Bühnenvolksbund. Zu dieser Zeit entstand das Großstadtspiel Brot". Im Jahr1928 wurde Beitl Assistent beim Atlas der deutschen Volkskunde". Hier begannsich nun die Einheit von Beitls wissenschaftlicher und künstlerischer Tätigkeit an-zubahnen. 1933 konnte er die Venia legendi für deutsche Philologie und deutscheVolkskunde an der Universität Berlin erwerben, wo er, bisweilen angefeindet, bis1944 lehrte. Er geriet in Krieg und Kriegsgefangenschaft und kehrte danach in sei-ne Montafoner Heimat zurück. Beitl war damals vor allem schriftstellerisch tätigund bekleidete mehrere Funktionen in seiner Heimatgemeinde Schruns. Noch-

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