Unmiẞverständlich hingegen werden für den Betrachter all jene Bilder sein, dieGrabsteine, Trauerweiden, Grabinschriften, Namen und Sterbedaten aus denHaaren geliebter Verstorbener aufweisen. Als„ Totengedenkbilder" sollten sieden Hinterbliebenen Trost spenden und die Erinnerung an den Toten bewahren.Ebenso unmiẞverständlich werden die Votivgaben und Haaropfer aus der Ma-riazeller Wallfahrtskirche und all jene Haar- Andenken auf den Stammbuchblät-tern sein, die die Bedeutung des Haares als Pars pro toto, als ein Teil des Men-schen, der die Person vertreten kann und der gleichsam unsterblich ist, erkennenlassen.
Seit der Eröffnung am 26. Oktober 1981 sind viele Widmungen und Leihgabenvon Ausstellungsbesuchern eingegangen, die das Aufstellen von drei zusätzlichenVitrinen erforderlich machten. Auf Grund des großen Interesses, nicht zuletztauch von seiten der Friseure und Friseurlehrlinge, für welche der Ausstellungsbe-such zum freudigen Pflichtbesuch geworden ist, wurde die Sonderausstellung,, Schmuck aus Haaren“ bis Ende Oktober 1982 verlängert.
Gudrun Hempel
2. ,, Häuser im Lungau.Rudolf Haybach
Malerei und Graphik"
Das Österreichische Museum für Volkskunde zählt es zu seinen Aufgaben, ne-ben originalen Gegenständen auch künstlerische Zeugnisse der Volkskultur zusammeln. Bilder und Graphiken zeitgenössischer Künstler stellen nämlich einewichtige Ergänzung zu den Sachbezeugungen dar und sind ein Beweis, daß auchKünstler sich mit der Volkskultur beschäftigen.
Das Österreichische Museum für Volkskunde konnte in seiner Neuen Galeriebereits mehrfach zeitgenössische Künstler präsentieren. So fand schon vor siebenJahren eine Ausstellung über„ Menschen und Häuser im Lungau“ statt, in derLeopold Schmid, Fritz Weninger, Oskar Laske, Emmy Hießleitner- Singer undLiesl Freiinger- Wohlfarth mit Bildern und Skizzen vertreten waren.
Nun zeigt das Österreichische Museum für Volkskunde Arbeiten von RudolfHaybach, die abermals den Lungau betreffen.
Dipl.- Ing. Rudolf Haybach, 1886 in Wien geboren, wandte sich nach Berufsaus-übung und nach einem reichen Kulturschaffen als Verleger und Sekretär derSecession erst relativ spät der Malerei zu, um sie nach dem Zweiten Weltkrieg zuseinem Lebensinhalt zu machen. Landschaft und Architektur stehen dabei imMittelpunkt seiner Bilder. Neben einer Anzahl früher Bleistiftzeichnungen, die imengeren Umkreis von Wien und in der Wachau entstanden, umfaßt der größereTeil der Erwerbung Ölbilder und Ölkreidezeichnungen aus dem Lungau. DieseBilder entstanden in der Hauptsache in den Jahren zwischen 1970 und 1975 undzwar durchwegs im Umkreis der Gemeinde Muhr. Der Ortsteil Jedl in Hinter-muhr wurde dabei besonders gut dokumentiert. Von verschiedenen Standpunktenerfaßte Rudolf Haybach die Dorfansicht, einzelne Gehöfte und Gebäudeteile, vorallem aber die für die Landschaft so charakteristischen gemauerten Getreidespei-
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