Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Chronik der Volkskunde

Sonderausstellungen des Österreichischen Museums für Volkskunde:1. Schmuck aus Haaren"

Seit dem Nationalfeiertag am 26. Oktober 1981 läuft die Sonderausstellung,, Schmuck aus Haaren in einem neu adaptierten Schauraum des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde.

Bei der Aufarbeitung des volkstümlichen Schmuckes kristallisierte sich eine bisdahin kaum beachtete Gruppe von Haararbeiten heraus, kleine Kunstwerke, diesich in den vergangenen Jahrzehnten ohne besondere Sammeltendenz, fast will-kürlich zusammengefunden haben. Da die meisten von ihnen nicht oder nur flüch-tig gekennzeichnet waren, mußten sie neu erschlossen und vor allem beschreibendnachinventarisiert werden. Eine genaue Beschreibung der einzelnen Geflecht-typen konnte erst auf Grund einer Rekonstruktion der einzelnen Arbeitsvorgängemit einer Gewährsfrau, die ähnliche Schmuckstücke Mitte der zwanziger Jahre ge-fertigt hatte, vorgenommen werden.

Insgesamt sind 116 Objekte ausgestellt, wovon nicht weniger als 76 aus dem Be-stand des Museums genommen werden konnten. Noch während der Vorberei-tungsphase konnten durch Ankäufe einzelne Motivgruppen ergänzt werden, dergeschlossene Bestand von Haarstickereien und Stammbuchblättern von Prof. FritzWeninger noch kurz vor seinem Ableben erworben werden. Mit Leihgaben desÖsterreichischen Tabakmuseums und des Technischen Museums für Industrie undGewerbe wurden Lücken gefüllt, mit Votivgaben aus der Mariazeller Wallfahrts-kirche konnte ein weiterer Aspekt aufgezeigt werden.

Wenn man bedenkt, daß diesem Themenkomplex von volkskundlicher Seite bisvor kurzem kaum Beachtung geschenkt worden ist, gewinnt diese Ausstellungnicht nur unter dem Gesichtspunkt der Neubearbeitung der Sammlungsbeständeeine besondere Bedeutung.

Die ausgestellten Schmuckstücke und Bilder, die mit wenigen Ausnahmen dem19. Jahrhundert zuzuordnen sind, tragen zum überwiegenden Teil Andenken-charakter und wurden vermutlich in ihrer großen Mehrheit aus Haaren ganz be-stimmter geliebter Personen gefertigt. Eigentlicher Anlaß ihrer Herstellung undFunktion können heute nur noch vermutet werden. Ob als Pfand der Zärtlichkeit,

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