ben den Tiroler Franziskusstollen stehen da auch die Franziskus-stollen im Kärntner Knappental mit seinem Kupferbergbau.53)Ein Gegenstück dazu sind die Franziskus- Rebgelände in einigenWeingeländen. Der Heilige gilt als nicht weinfeindlich, seine Le-gende erzählte sogar gelegentlich, daß er Wasser in Wein ver-wandelt habe, wiederum eine Annäherung an die Wunder Chri-sti. 54) Daher also die Speise- und Getränkefreiheit der Franziska-ner, die aber vielleicht auch durch ihre Art, sich den Lebensun-terhalt zu beschaffen, unterstützt wurde: Die Mendikanten konn-ten wohl die milden Weingaben kaum zurückweisen. Das führtedann offensichtlich im weiteren dazu, daß manche Franziskaner-klöster Weingärten besaßen, die Nordtiroler beispielsweise inSüdtirol, im Traminer Bereich.55)
Diese eher überraschende Zuneigung zu gutem Essen undTrinken, die man nach dem Mittelalter den Franziskanern dannso gerne vorwarf, leitet jedenfalls dazu über, daß die Klöster desFranziskanerordens regelmäßig Feste veranstalteten, die auchrecht weltlich ausgerichtete Märkte werden konnten. Am be-kanntesten sind davon die Portiuncula- Märkte, die sich von derVorliebe des Heiligen für die Portiuncula- Kapelle bei Assisi her-schreiben. 56) Mit ihrem Besuch verbanden sich Ablässe, die Le-gende der Kapelle wurde offenbar im ganzen franziskanischenBereich gern weitererzählt. Noch heute feiern Franziskanerklö-ster das Fest, so Maria Enzersdorf bei Wien am 2. August, undes ist regelmäßig der größte Markt alter Art im ganzen Jahr. 57)Man kann ähnliches in Stichproben auch bei anderen Franziska-nerklöstern erheben, so bei Mosbach in der„ Kleinen Pfalz". Als1801 der P. Guardian über den Zustand seines Klosters berichtenmußte, konnte er schreiben:„ Nicht einmal von den höherenFesttagen, von den Oster-, Pfingst- und Christtägen zu sprechen,hat man in jüngst vergangenen Jahren noch Beyspiele gehabt, woauf einen Portiuncula- Tag gegen 5000 consecrirte Partikeln auf-gegangen." Da war also der geistliche Sinn des Portiuncula- Fe-stes auch angesichts der drohenden Klosteraufhebung nochdurchaus gegenwärtig. 58) Sonst ist ja das Fest vielfach verwelt-licht, dem Markt ist dann nur noch der Name geblieben, wie bei-spielsweise dem Portiuncula- Markt in Dornach in Solothurn, derzu den bekannteren Schweizer Volksfesten gehört. UrsprünglichFranziskanerniederlassung, wurde daraus 1672 ein Kapuzinerklo-ster, welches das Portiuncula- Fest selbstverständlich weiterfeier-te. Aber die Verweltlichung zum festlichen Markt ist immer fort-
79