Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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zu sehr der Hypothese von G. Haasch( Das Wunderbare im höfischen Artus-roman, Berlin 1955), daß die Zwerge nicht den Jenseitigen zuzurechnen seien,eine Annahme, die lediglich für den deutschen Artusroman gilt und nicht fürfranzösische Vorformen, und ebenso geht sie zu wenig auf die Austauschbarkeitvon Zwergen und Riesen in solchen Erzählungen ein. Darüber hinaus wäre der,, Huon de Bordeaux ein klares Muster für die Frage, wo sich Epos und Märchentrennen müssen, weil die Gesetze der höfischen Welt und die prämoralische Ein-stellung des Märchens verschiedene Bekämpfungsmöglichkeiten des( dämo-nischen) Gegners zulassen oder vorschreiben. Die Autorin hätte hierzu bei Sette-gast( Das Polyphemärchen in altfranzösischen Gedichten, Leipzig 1917) undanderen Werken Anregungen finden können.

Man muß jedoch Cometta zugute halten, daß sie im Rahmen des ihr zur Ver-fügung stehenden Raumes sich gründlich mit der Thematik auseinandergesetzthat, und daß sie sachlich richtig und fachlich sicher die formalen Bezüge zwischenden literarischen Fassungen und der Volkserzählung herausgearbeitet hat.

Hinsichtlich der volkstümlichen Quellen wäre die Bibliographie noch um einigeWerke zu ergänzen, wie etwa H. Raff, Laurins Rosengarten, Stuttgart o. J. oderChr. Schneller, doch richtet sich das Werk an ein italienisches Publikum, demdiese Werke eventuell schwer zugänglich sind. Insgesamt ist das Buch ein erfreu-licher Beitrag zu einem germanistischen Thema mit volkskundlichem Aspekt.

Felix Karlinger

Till Eulenspiegel, a cura di Luigi Tacconelli. Roma, Salerno Editore, 1979.310 Seiten.

Luigi Tacconelli, Ulenspiegel

Problemi e aspetti di un Volks-

buch. L'Aquila, Japadre- Editore, 1981. 109 Seiten.

Der Verfasser ist Professor für Germanistik an der Universität L'Aquila undgehört zu den wenigen italienischen Forschern, die sich mit deutschen Volks-büchern beschäftigt haben. Seine Übersetzung der berühmten Schwänke zeigt denrechten Sinn für die Eigenwilligkeit der niederdeutschen Geschichten und fürden Hintergrund ihres Erzählraumes. Der Stil ist ausgezeichnet getroffen und mitguter Einfühlung für das italienische Publikum umgesetzt. Der Band enthält zu-dem die köstlichen alten Schnitte, die dem Band auch illustrativ Gewicht geben.

Mit der Funktion des Volksbuchs gemeinhin, mit der Entwicklung der popu-lären Lesestoffe und mit dem Gehalt des Eulenspiegel setzt sich Tacconelli in demzweiten Bändchen auseinander. Für Italien gab es zweifellos bisher noch keinWerk, das zudem brillant geschrieben- einen so gründlichen Überblick überdie bisherige deutsche Forschung vermittelt hätte. Frei von romantischen oderromantisierenden Wertungen und in voller Kenntnis der Problematik des Be-griffes versucht der Autor jene Gattung darzustellen, die am stärksten von ihrerFunktion her definiert werden kann, während sie in Formfragen sich nur schwer

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