Unter den jenseitigen Wesen finden wir vor allem Waldteufel, für den verschie-dene Euphemismen verwendet werden, wie„ alter Heide Glossar ::: zum Glossareintrag Heide“,„ alter Popanz“ und,, alter Junggeselle". Überhaupt fällt der Trend zu euphemistischen Umschrei-bungen auf; so wird auch der Wolf ,,, Weidenkalb" genannt.
In einem fast vierzig Seiten umfassenden Nachwort vermittelt der Autor einegute Einführung in den historischen Rahmen und die ethnische Situation derEsten. Weiter berichtet er ausführlich über die ,, Estnische Volksdichtungssamm-lungen und Märchenausgaben“, sowie über die Aufzeichnung der Märchen. Soerhält man ein eigenes Kapitel der Geschichte der Volkskunde Estlands, die bis-her bei uns vergleichsweise wenig bekannt war. Informativ ist auch der Teil:„, Wound wann wurde erzählt“( S. 411-414), sowie die Untersuchung zur Persönlich-keit des Erzählers und zur Funktion ihrer Geschichten.
Manchmal etwas zu knapp gefaßt sind die Anmerkungen, die vor allem zusehrauf die estnischen Verhältnisse zugeschnitten sind. Nur teilweise berechtigt ist dieZuweisung mancher Texte an die Untergruppe„ Legendenmärchen“, wie manüberhaupt sieht, daß terminologische Schwierigkeiten stehen bleiben.
Insgesamt erweist sich der Band jedoch als wissenschaftlich wertvoll und auchfür den Nichtwissenschaftler gut lesbar.
Felix Karlinger
Marina Cometta, Il Laurin e il mondo dei racconti popolari- un'analisi stilistico- formale. Cisalpino- Goliardica- Milano 1981. 107 Seiten.
Zu den mittelalterlichen Laurin- Versionen gibt es verschiedene literaturwissen-schaftliche Studien, von der Seite der volkserzählerischen Elemente dieses Stoffeshatte der Komplex um den Zwergenkönig bisher noch wenig Beachtung gefunden.So begrüßt man dankbar, daß hier ein Versuch gemacht wird, der zumindesteinige wichtige Seiten und Aspekte zu durchforschen versucht. Die umfangreicheBibliographie zeigt, daß die Autorin einen breiten Ansatz gesucht hat. Sie setztmit einer Charakterisierung der verschiedenen Fassungen ein und geht dann überdie einzelnen bisherigen Interpretationsversuche zu methodologischen Fragenüber. In den Mittelpunkt stellt sie dann die Örtlichkeiten und die Personen desStoffes, bevor sie die Handlung untersucht.
Es handelt sich um eine klug und nuanciert geschriebene Studie, die in mancherHinsicht freilich nicht mehr als ein erster Ansatz zu einem sehr komplexen Themasein kann. Trotz der ausgeprägten Lokalisierung der sagenhaften Bestandteile desLaurin wirken in ihm ja Elemente fort, die aus dem nordwestfranzösischen Raumzu kommen scheinen. Man wird vergleichsweise noch stärker auf den„, Dolopa-thos" und den ,, Huon de Bordeaux" eingehen müssen, um die Verbindung desAlbischen mit der Welt der Ritter analysieren zu können. Nicht nur der Alben-könig Auberon und das Motiv des verräterischen Ringes, sondern auch verschie-dene andere Requisiten und Situationen aus dem Fundus der Volkserzählungtauchen bereits sehr früh in der Hochliteratur auf. Gelegentlich folgt Cometta
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