Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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( Ideologisierung des Sprachinselbegriffs) mag genügen( Ingeborg Weber- Keller-mann, Zur Interethnik. Donauschwaben, Siebenbürger Sachsen und ihre Nach-barn. Frankfurt 1978, S. 67 ff.). In ihm findet der Interessierte auch einige be-merkenswerte Sätze aus Walter Kuhns ,, Sprachinselforschung"( Walter Kuhn,Deutsche Sprachinselforschung. Geschichte, Aufgaben, Verfahren. Plauen 1934;dazu: I. Weber- Kellermann, a. a. O., S. 69-72), welche die späteren ,, Miẞdeu-tungen dieses Buches, von denen Cammann auf S. 43 seiner Einführung spricht,verständlich machen.- Teil 2 der Sammlung wird dann u. a. Sagen, Schwänkeund Dorfgeschichten enthalten, und ebenso die für die Forschung ungemeinbedeutsamen Biographien der Erzähler. Beim bewundernswerten ArbeitstempoCammanns wird er sicherlich in Bälde vorliegen.

Olaf Bockhorn, Wien

Richard Viidalepp, Estnische Volksmärchen. Akademie- Verlag Berlin1980. 456 Seiten, 1 Karte.

Der Autor Viidalepp ist nicht nur ein ausgezeichneter Kenner des Materials,sondern er hat auch im Bereich der Feldforschung eine große Erfahrung, welchesich bisher in einer Reihe von Schriften niedergeschlagen hat, die leider nur teil-weise in deutscher Sprache zugänglich sind. Das in diesem Band vorgelegte Er-zählgut ist erstaunlich originell und eigenwillig, obwohl es sich überwiegend umMotive handelt, die wir auch aus den benachbarten Landschaften, vor allem ausdem Finnischen und dem Russischen kennen. Bei Themen, die über die ganzeWelt verbreitet sind, fällt auf, daß sie gelegentlich in eine Zeit versetzt werden,die wie eine relativ nahe Vergangenheit wirkt, und daß sie andererseits einen Zugzum Wirklichkeitsnahen haben. So bringt der Text Nr. 122 Der versteckte Alte"( S. 350) das bekannte Motiv vom Töten der Alten( AT 981) als einen Rat, in derZeit einer Hungersnot das Strohdach des Hauses herunterzunehmen und dasStroh zu dreschen und auszuschwingen, um Roggenkörner zu gewinnen. Diemagischen Züge, welche der Stoff in den balkanischen und portugiesischen Va-rianten enthält- siehe etwa ,, Werft die Alten hinaus!,( Karlinger/ Espadinha,Märchen aus Portugal, Frankfurt 1976, S. 90!) fehlen hier vollkommen, undwäre nicht von einem König die Rede, man könnte sich die Handlung als in denJahren des letzten Krieges spielend vorstellen.

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Das Motiv von Mann und Frau im Essigkrug( Von dem Fischer und seyner Fru,KHM 19, AB 555) finden wir ebenfalls in einer originellen Variante als ,, DieWohltaten des heiligen Baumes( S. 220), wobei der Geist des heiligen Baumes inGestalt eines grauen Männchens erscheint. Die Steigerung ist hier: zunächst einGeschenk in Form eines sechsfachen Holzstoßes, dann ein neues Haus, Vorrats-kammer voll Korn, eine Verschönerung und Verjüngung der Frau( sic!), weiterBeförderung zum Dorfrichter, zum Gutsherrn, zum General. Endlich will der Un-ersättliche auch noch König werden, doch da verwandelt ihn und seine Frau derBaumgeist in Bären.

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