Die wuchtigen Zweijahresbände der IVB sind die unverrückbaren Marksteinefür den Weg, den die Volkskunde international in den vergangenen fünfund-sechzig Jahren gegangen ist. Wenn ein Bild aus den Wandertagen des letztenSommers erlaubt ist, will ich in ihnen die„, quilles“ erblicken, jene schweren, ke-gelförmigen Setzungen aus übereinandergetürmten Steinen, die auf den baum-losen Höhenrücken der französischen Cevennes auf Rufweite die„ drailles“, diejahrhundertealten Fährten der Transhumance aus dem Tiefland des Languedocund der Provence zu den Hochweiden des südlichen Zentralmassivs, markieren. Ingleicher Weise bezeichnet die IVB Jahr für Jahr unverlierbar die von der Volks-kunde durchschrittenen Forschungsgefilde mit ihren lichtvollen und bisweilenschwierig durchschaubaren Zonen. Es ist deshalb dem Herausgeber und denvielen Mitarbeitern in aller Welt auch von dieser Stelle aus ausdrücklich zu dan-ken für die gediegene Fortführung dieses großen Gemeinschaftswerkes der inter-nationalen Volkskunde. Ebenso ist den Institutionen besondere Anerkennung zuzollen, die das Erscheinen dieses letzten Endes auch sehr kostspieligen Unter-nehmens wiederum ermöglicht haben. Zu nennen ist insbesondere die DeutscheGesellschaft für Volkskunde und die Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn-Bad Godesberg, welchen diesmal die Schweizerische Akademie der Geistes-wissenschaften, Bern, der Norges almenvitenskapelige forskningsråd, Oslo, undder Staatliche Humanistische Forschungsrat Schweden, Stockholm, mit Druckbei-hilfen zur Seite gestanden sind.
Klaus Beitl
Albrecht A. Gribl, Unsere Liebe Frau zu Dorfen. Kultformen und Wall-fahrtsleben des 18. Jahrhunderts. Dorfen, Druckerei- Verlag Norbert Präbst,1981. Brosch. 597 Seiten, 52 Abbildungen auf Kunstdrucktafeln, Karten-skizzen, Diagramme.
Als ein umfangreiches, sehr gut mit Karten, mit Diagrammen sorgfältiger stati-stischer Untersuchungen, mit nicht weniger als 52 Schwarzweiß- Bildern ausge-stattetes Werk liegt hier die Münchener Dissertation des 1978 promoviertenVolkskundlers A. A. Gribl vor, der derzeit für die zahlreichen ,, NichtstaatlichenMuseen Bayerns" am Bayerischen Nationalmuseum zu München wirkt. Sein gan-zes Studium hindurch waren für den Vf. Religiöse Volkskunde und BayerischeGeschichte Schwerpunkte seines Interesses und seiner schon recht ansehnlichvielen publizistischen Leistungen. Dazu gehören auch die von ihm zwischenBayern und Spanien selbst erwanderten Eindrücke und Beobachtungen über„, DieLegende vom Galgen- und Hühnerwunder in Bayern. Eine ikonographische Ge-genwartsspur der mittelalterlichen Fernwallfahrt nach Santiago di Compostela"( Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1976/77, Volkach vor Würzburg 1978,36-52, Abb. 60-68).
Die nunmehr von einem anerkannt wagemutigen Verleger und Drucker zuDorfen nahe Erding in Bayern solcherart herausgebrachte Dissertation erweistdas heute in seiner Kultbedeutung wie Wallfahrtsintensität zurückgefallene MariaDorfen als die im Vergleich mit den vielen Marien- Wallfahrtsstätten Bayerns
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