schreibung vorlegt. Die Geschichten sind jetzt sicherlich ganz gut lesbar, wenn-gleich sich der mundartlich Abseitsstehende gewiß auch jetzt noch mit der Lek-türe nicht leicht tun wird. Haiding hat in dem kurzen Geleitwort die BedeutungBünkers umrissen, übrigens ohne die Arbeiten von Géza Kurzweil- Karsai und vonmir zu erwähnen. Dafür hat er einen deutsch- ungarischen Germanisten veranlaßt,einen kurzen gelehrten Abriß über„ Tobias Kern und die Mundart von Öden-burg" der Textsammlung voranzustellen. Claus Jürgen Hutterer hat hiersicherlich einen guten, systematisch gearbeiteten Beitrag zur Mundartforschunggeliefert. Für die Aufschließung der Märchensammlung Bünkers ergibt die lin-guistische Arbeit freilich nichts.
Die insgesamt 123 Erzählungen sind also in einer halbwegs verständlichenMundart abgedruckt, und Elfriede Moser- Rath hat im Inhaltsverzeichnisgleich die„ Typisierung“ mitgeliefert, das heißt also zu den einzelnen Titeln dieAaTh oder Mot. Nummern beigesetzt. Das entspricht der Art, wie die Bändeder ,, Märchen der Weltliteratur" kommentiert werden: Ein erster Hinweis für denengsten Fachmann, nicht mehr. Wer einen Kommentar, eine Interpretation erwar-tet hat, und das sind wohl viele Interessenten gewesen, der kommt nun leider zukurz. Eher ein Buch zum Märchen- Lesen oder Märchen- Vorlesen also, vielleichtin diesem Sinn auch von der Burgenländischen Landesregierung gefördert. Den-noch wird auch der Fachmann den schönen Band gern neben die Original- Aus-gabe von 1906 stellen, falls ihm ein gütiges Geschick den seltenen und teurenBand jemals zu erwerben erlaubt haben sollte.
Leopold Schmidt f
Ulrich Benzel, Märchen und Sagen der Deutschen aus Böhmenund Mähren. Bd. II. 244 Seiten, 20 Ill. von Reinhard Benzel. Regensburg1981, Verlag Friedrich Pustet. DM 17,50.
Ulrich Benzel hat sich mit dem im Buchtitel genannten Gebiet schon mehrfachbeschäftigt. 1957 erschienen seine ,, Volkserzählungen aus dem nördlichen Böh-merwald"; 1962 seine„, Sudetendeutschen Volkserzählungen“; 1965 seine,, Volkserzählungen aus dem oberpfälzisch- böhmischen Grenzgebiet". In diesenBänden war meist die Herkunft der einzelnen Erzählungen angegeben. Im vor-liegenden Band, der äußerlich sehr nett und solid aussieht, sind 158 Erzählungenenthalten, ohne genauere Herkunfts- und Verbreitungsangaben. Zunächst, von1-28, sind es„ Zaubermärchen“, also im wesentlichen Typenvarianten zu denGrimmschen Märchen. Dann folgen 5,, Märchennovellen", ferner 7,, Legenden-artige Märchen, Legenden und Ursprungssagen“. Da schließen die„ Schwänkeund Schnurren" an, und schließlich folgen„ Sagen“, ein umfangreiches Kapitel,das in Walddämonen, Riesen, Feuermänner, Wassermänner und Wassergeistermit einer sehr großen Anzahl von Wassermännern-, Alp und Trud, Bergmänn-lein, Venusleute einschließlich der Wechselbälge-> Venediger Sagen, Vampir-sagen, Hexen und Hexenwerk gegliedert ist, und endlich„ Zauberbücher" und,, Frevel und Strafe".
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