des Spenders in der Kopie des Einlaufinventares verschrieben, so daß der Zu-sammenhang unbekannt blieb.
Oskar Pausch, der jetzige Leiter der Theatersammlung, der gerne vergesseneHandschriften herausgibt, hat die alte Aufzeichnung nun ediert. Es handelt sichum einen Text aus der Oberuferer Gruppe, ähnlich wie das Triebener Paradies-spiel( Wiener ZVk 47, 1942, S. 53 ff.), nur daß die Gestalten von Gerechtigkeitund Barmherzigkeit dazugekommen sind, also gegenreformatorische Ergänzun-gen. Das entspricht ganz der zeichnerischen Darstellung eines Paradeisspielesdurch Jakob Gauermann, um 1820( mein Handbuch, Abb. 1). Einen beachtlichenZuwachs stellt das Nachspiel„ Vom Jüngling und dem Teufel" dar, das zu derGruppe der gerade im Oberuferer Kreis beliebten Nachspiele gehört, von denenschon Remigius Sztachovics( Brautsprüche und Brautlieder auf dem Heidebodenin Ungern. Wien 1867, S. 255 ff.) einige veröffentlicht hat. Aber die WildalpenerFassung ist selbständig, und durch die Einbeziehung von Faust- Motiv undTeufelsbund merkwürdig. Dieser Jüngling- Jedermann- Faust wird jedenfalls nichtgerettet, sondern versinkt wie Don Juan in den Höllenflammen. Möglicherweisestehen Flugblatt- Fassungen als Quelle dahinter; direkt nachweisen hat sich bishernichts lassen, doch wird der nunmehr veröffentlichte Text vielleicht zu einerweiteren Interpretation Anlaß geben.
Leopold Schmidt+
Johann Reinhart Bünker, Schwänke, Sagen und Märchen in hean-zischer Mundart. Mit Ergänzungen zur Auflage von 1906 in vereinfachterMundartwiedergabe. Herausgegeben von Karl Haiding. 439 Seiten. Graz1981, Leykam Verlag.$ 345,-.
1906 erschien mit Unterstützung der Österreichischen Akademie der Wissen-schaften in Leipzig der Band mit dem umständlichen Titel; Bünker hatte zehnJahre daran gearbeitet, also in jener Zeit, in der ihm der Ödenburger Straßen-kehrer Tobias Kern diese Geschichten erzählte. Das Buch ist längst vergriffen undsehr gesucht. Gelesen wurde und wird es wenig, denn die von Bünker so demon-strativ herausgestellte ,, heanzische Mundart" läßt sich in seiner, aber auch in jederanderen Umschrift eben schwer lesen. Daß die deutsche Mundart des mittlerenBurgenlandes, einschließlich der„ Bohnzichter“ in und um Ödenburg gemeintwar, ist ja schließlich niemals allgemeines Wissensgut geworden.
Das mag einer der Gründe gewesen sein, daß ein guter Märchenkenner wieMax Mell 1926 den Versuch unternahm, wenigstens eine Auswahl dieser Mär-chen in den schmalen Band ,, Was mir der alte Mann erzählte. Märchen aus demBurgenland" in Mönchengladbach in schönen hochdeutschen Übertragungen vor-zulegen. Auch dieser Band ist leider längst vergriffen. In den letzten Jahren wurdemehrfach die Absicht laut, eine ganze hochdeutsche Übersetzung vorzulegen.Diesen Plänen ist nun Karl Haiding zuvorgekommen, der einen„ ganzen Bünker"einschließlich der einstmals in den„ Anthropophytheia“ veröffentlichten eroti-schen und skatologischen Schwänke nunmehr in einer gemäßigten Mundart-
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