Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Sachs und eine kritische Ausgabe seines Passionsspieles gestellt, mit dem Text der,, Gantz Passio des Nürnberger Meisters.

Die ungemein ausführliche Kommentierung von philologischem Standpunkt ausbringt Bd. II, S. 28 die große Überraschung: Das Admonter Passionsspiel beruhteindeutig auf dem Passionsspiel, der Tragedia" von Hans Sachs, 1558 datiert.Die Handschrift, über die im Verlauf der Gesamtinterpretation so viel gesagtwird, stammt also aus der Zeit danach, das heißt vermutlich aus der zwischen1560 und 1590. Man hat sich, vermutlich in Admont selbst, mit dem Passionsspieldes Hans Sachs im späten 16. Jahrhundert beschäftigt; ob man es auch aufgeführthat, läßt sich offenbar nicht feststellen. Das große Werk Polheims zeigt uns alsodas Passionsspiel des Nürnberger Meisters auf einer gewissen Stufe der Rezeptiondes Nürnberger Meisters. Es ordnet sich damit in die gesamte, noch immer nichtvöllig überschaubare Rezeptionsgeschichte dieser Werke ein, die in manchenFällen, beispielsweise bei der Deutschen im ehemaligen Oberungarn oder auch imBurgenland, im Umland des Heidebodens am Neusiedler See, schon sehr weit-gehend belegt werden konnte. Handschriften und Abschriften, Drucke und Über-arbeitungen bis in die frühbarocke Zeit hinein haben diese Rezeption unterstützt.Für die Obersteiermark, in der offenbar im späten 16. Jahrhundert noch viel anHans- Sachs- Stücken gespielt wurde, bedeutet das Admonter Passionsspiel einenwichtigen Wegweiser.

Darüber hinaus ist Polheims Kommentar, geradezu eine Lebensarbeit, sicher-lich ein Werk von eigener Bedeutung geworden, in das sich der Spezialist auf demGebiet der Volksschauspielforschung dankbar einlesen wird. Die Forschung aufdiesem Gebiet ist kaum von einem zweiten Bearbeiter verwandter Stoffe so ge-wissenhaft und kritisch erfaßt worden. Das ausführliche Literaturverzeichnis lie-fert dafür die willkommenen Belege.

Leopold Schmidt

Oskar Pausch, Das Wildalpener Paradeisspiel mit einem PostludiumVom Jüngling und dem Teufel. Herausgegeben und erläutert(= Maske undKothurn. Internationale Beiträge zur Theaterwissenschaft, Beiheft 9) 56 Seiten,5 Abb. Wien 1981, Hermann Böhlaus Nachf.

Die hier veröffentlichte Handschrift habe ich vor ungefähr fünfzig Jahren in derTheatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek für meine Paradeis-spiel- Kartothek exzerpiert. Daher auch der Ortspunkt ,, Wildalpen" auf meinerParadeisspiel- Karte( Handbuch, S. 344/345). Hans Thimig, der Gründer undStifter des Kernbestandes der Theatersammlung und Besitzer eines Sommer-hauses in Wildalpen, hatte sie von dem Germanisten Dr. Joseph Bindtner be-kommen, der überaus verdienstvoll für Gugitz die Memoiren" von Castelli fürdessen große Altösterreich- Serie herausgegeben hat. Bindtner hat zwei Objektezu dem Schauspiel, eine improvisierte Teufelsmaske und einen zugehörigenSchweif, dann dem Museum für Volkskunde übergeben, nur wurde der Name

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