bacher zeigt immer, wieviele von diesen an sich durchaus geistig- geistlich gemein-ten Dingen in körpernahe Anschauung und Verehrung übergegangen sind, wohlauch von den Orden in dieser Absicht übertragen wurden. Von der ,, lactatioSancti Bernardi“ bis zu den Votivbildern mit der Spendung von Christi Blut undMariens Milch in einen einzigen„ Lebensbrunnen" gehen hier die Ströme inein-ander.
Man lernt aus dieser Studienreihe Kretzenbachers sehr viel. Nur der mitgleichem und verwandtem Bildgut befaßte Mitforscher wird zunächst erkennenkönnen, worin die besondere Bereicherung durch diese Arbeit liegt, und vielleichtauch mitunter sehen, was sich wenigstens als Randbemerkung dazu noch auf-drängt. So etwa, daß die drei„ Plagen“ des Grazer Landplagenbildes von 1485 einhalbes Jahrhundert später im„, Stadtplagenbild" von Waidhofen an der Ybbs wie-der auftreten, nur daß dort neben Heuschreckenplage und Türkenplage nicht wiein Graz die Pest steht, sondern der Einfall der„, Nigowitze“, der schädlichen Starevon 1532. Das geistliche Hauptmotiv der Schutzmantelmutter, welche dem zür-nenden Gottvater die Brust weist, findet sich in Waidhofen freilich nicht mehr.Aber die Verschränkung von Spätmittelalter und früher Neuzeit im Betrachtungs-und Erinnerungsbild ist immerhin bedeutsam genug.
Leopold Schmidt+
Friederike Tschochner, Heiliger Sankt Florian. Unter Mitarbeit vonMatthias Exner. 220 Seiten mit 256 ein- und 12 vierfarbigen Abb. München1981, Verlag Georg D. W. Callwey. DM 48,-.
Der Verlag Callwey nimmt sich neben vielen anderen an die Volkskunde an-grenzenden Gebieten auch der Heiligenverehrung an. Es sind in den letztenJahren dort Monographien über den hl. Georg( Sigrid Braunfels- Esche) wie überden hl. Christophorus( Gertrud Benker) erschienen. Im gleichen Format und mitgleicher Ausstattung liegt nunmehr diese Monographie über den hl. Florian vor,wohl nicht ohne Vorschau auf die dem hl. Severin in Enns und Lorch gewidmeteoberösterreichische Landesausstellung, wo man an der Stätte seines Martyriumsgewiß auch des hl. Florian gedenken wird.
Über dieses Martyrium, über die Legende und über deren bildkünstlerischeDarstellungen verbreitet sich die Verfasserin mit viel Kenntnis der reichen Litera-tur und des zwar sehr zerstreuten, aber zum Teil doch sehr qualitätvollen Bild-materials. Die Verfasserin versucht die Verehrung wie die Bilddarstellung nachEpochen zu gliedern, nach„ Kultwellen", die einmal den christlichen Ritter, dannwieder den himmlischen Fürsprecher und immer wieder den Feuerpatron in denVordergrund gestellt haben. Das reich dargebotene kunstgeschichtliche Materialgewährt alle nur erdenklichen Einblicke. Auf dem Gebiet der Volkskunst fehltdagegen vieles: Gerade daß Möbelmalerei und Hinterglasmalerei angedeutet wer-den, und wenn, so nur mit knappsten Bestimmungen. Für das Votivbild ist, baye-rischer Gepflogenheit folgend, mehr abgefallen. Für das Volkslied dagegen wiedergar nichts, obwohl sich doch gewiß wenigstens Flugblattlieder gefunden hätten.Hübsch ist jedoch, daß der Heilige als Patron der Feuerwehren zur Kenntnis ge-
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