rei, Staffierung, kaltbemalte Tonplastik. Da hätte vielleicht Josef Ringler einganzes Buch darüber schreiben können, doch hat er es leider nicht mehr getan.Besonders die Trachten- und Schützenfiguren, wie etwa die Kastelruther auf demfarbigen Umschlag, könnten ja genausogut kaltbemalte Tonfiguren wie ge-schnitzte Holzplastiken sein. Auch im Motivlichen drängen sich manche Fragenauf. Die italienischen Einflüsse etwa, dann die Fragen nach den Vorbildern in derDevotionalplastik, aber auch die zeitgeschichtlich bedingten Wellen, von denendie der Franzosenkriege in Tirol und jene der philhellenischen( nicht wie im Textmehrfach ,, philhellenistischen“) Bestrebungen in Bayern, gut herausgearbeiteterscheinen. Bemerkenswert ist das im Gegensatz zu bisherigen Veröffentlichun-gen stärkere Betonen der Schnitzer in Nordbayern, vom Bayerischen Wald überden Spessart bis in die Rhön. Da wäre dann vermutlich noch stärker an dieSchnitzerei in Thüringen und im Erzgebirge anzuschließen gewesen, wie über-haupt das bergmännische Element wohl etwas zu wenig betont erscheint. Die figu-ralen Schlittenköpfe hätten doch auch berücksichtigt gehört. Nun, dafür sindunsere zwei berühmten Schachspiele ausführlich behandelt, man sieht, daß daeinige kleine Anstöße ganz schöne Folgen gehabt haben.
Das ausgezeichnet ausgestattete Buch ist Leopold Kretzenbacher gewidmet,was besondes erfreut.
Leopold Schmidt+
Neuruppiner Bilderbogen. Katalogbearbeitung von Theodor Kohlmann. Miteinem Beitrag von Peter- Lutz Kindermann(= Schriften des Museums fürDeutsche Volkskunde Berlin, Bd. 7). 180 Seiten mit zahlreichen Abb. und 1 Bil-derbogen- Neudruck. Berlin 1981, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz.Aktuelles vom Tage. Die Bilderbogen als Bilderzeitung für jedermann. 24 Seiten,mehrere Abb. Berlin 1981, Pädagogischer Dienst der Staatlichen Museen Preußi-scher Kulturbesitz.
Das Berliner Volkskundemuseum ist weiterhin mit seinem stattlichen Besitz anvolkstümlicher Graphik und verwandten Gebieten beschäftigt. Diesmal gilt derKatalog den einstmals weit verbreiteten ,, Neuruppiner Bilderbogen“. Der Katalogbietet aus einem Sammlungsbestand von etwas über 1200 Neuruppiner Bilder-bogen eine Auswahl von 196 Stück an, die ausgestellt und hier katalogisiert sind.Der willkommene Einleitungsbeitrag„ Neuruppin" von Peter- Lutz Kindermannunterrichtet über die Geburtsstadt Theodor Fontanes und ihr Heimatmuseum.Der Katalog, der alle 196 Ausstellungsstücke abbildet, stellt eine ziemlichknappe, aber durch Literaturangaben erweiterte Aufzählung dar. Für Gebiete wie,, Krieg und Friede“, oder„ Fürsten und Forscher“ dürfte das wohl genügen, inanderen Abschnitten wäre manchmal wohl ein weiterführender Hinweis erforder-lich. So findet man unter den„ Bildern für fromme Christen" zwei Heiligenbilder.Eines, Nr. 97, stellt einen ,, St. Franciscus" dar, und man muß überlegen, ob esetwa Franz de Paula sein soll. Nr. 98 soll gar einen„, St. Tobian“ darstellen, den esnun wohl gar nicht gibt; wer der auf einer Papierrolle schreibende Heilige seinmag, bleibt unbekannt. Nach solchen Proben vermutet man ähnlich auch in ande-ren Kapiteln; hoffentlich sind sie ikonographisch besser durchgeprüft.
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