Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Péter Nagybákay, Zunftaufgebotstafeln aus Ungarn. 78 Seiten mitStrichzeichnungen, 48, zum Teil farbige Tafeln. Budapest 1981, Corvina Verlag.In der bemerkenswerten Reihe von Volkskunstbänden aus dem Corvina- Verlaghebt sich der vorliegende Band vielleicht besonders heraus. Es geht um wichtigeZunftaltertümer, aber nicht um die geläufigen Tischtafeln, sondern um die be-trächtlich selteneren, oder doch weniger gesammelten Zunftaufgebotstafeln. Inden meisten Sammlungen von Zunftaltertümern scheinen sie vernachläßigt wor-den zu sein. Für das alte Ungarn hat Péter Nagybákay, aufbauend auf verschie-denen älteren Sammlungen und Veröffentlichungen, nicht weniger als 500 solcheAufgebotstafeln feststellen und bearbeiten können. Es handelt sich um verhältnis-mäßig kleine Tafeln, die in der Hand getragen oder um den Hals gehängt wurden,und die Zunftzeichen vorwiesen. Nagybákay geht auf die Rolle dieser Täfelchenim Zunftwesen Ungarns genau ein, stellt sie in den größeren Rahmen, dervielleicht von Flandern bis Schlesien reicht, unterscheidet dann die Typen dieserTafeln, mit Abwägung ihrer stilisierten Zuordnung und ihrer speziellen Ikono-graphie, was durchwegs sehr aufschlußreich erscheint. Außer dem reichen Lite-raturverzeichnis hätte man wohl den Abdruck der In- und Aufschriften erwartenkönnen. Schließlich sind ja nicht wenige dieser Tafeln, wie die Bildproben zeigen,in deutscher Sprache gehalten. Das Ortsverzeichnis führt erfreulicherweise dieungarischen wie die deutschen Namen an.

Leopld Schmidt

Reinhard Haller, Volkstümliche Schnitzerei. Profane Kleinplastiken ausHolz. Aufnahmen von Helga Schmidt- Glassner. Großformat 188 Seiten, mit240 einfarbigen und 16 vierfarbigen Abb. München 1981, Callwey Verlag. DM 79,-.Arthur Haberlandt mit der ,, Holzschnitzerei im Grödner Tal" 1914, Karl Grö-ber mit seinem Volkskunstband ,, Schwaben" 1925 und der Alten Oberammer-gauer Hauskunst von 1930, dazwischen Wilhelm Fraenger mit seinem, Bilder-mann von Zizenhausen" 1922, das sind so Wegmarken auf dem Gebiet, das Rein-hard Haller in einem großen, schönen Callwey- Band zu überschauen trachtet. DieDamen des Callwey- Bandes haben an der Erstellung des Bildteiles ganz wesent-lichen Anteil, ihnen ist in den verschiedenen Museen, auch in unserem in derLaudongasse, kaum etwas entgangen, was hierher gehört.

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Haller hat sich redlich bemüht, das nicht leicht überschaubare Gebiet vom17. bis zum späten 19. Jahrhundert zu überblicken von den Motiven her, über dieVorbilder zu den Herstellungslandschaften- es sind eigentlich fast nur Herstel-lungsorte gewesen bis zur Technologie des Schnitzens und Fassens bis zurStilistik, und dann zum Handel, der ähnlich wie bei der Hinterglasmalerei wohlmeist Kraxentragerhandel war, dann zu den schwer zu erfassenden Käufern, undwas die nun für einen, Gebrauch" von den Kleinplastiken gemacht haben mögen.Das alles bewußt mit Abstand von der Krippenschnitzerkunst, obwohl die Gebietekaum zu trennen sind. Auch hier in diesem Band sind genug Hirten und Schafeusw., die in Krippen verwendet wurden. Schwer auch zu trennen das Gebiet derHolzschnitzerei von den benachbarten Kleinplastikgebieten: Etwa Beinschnitze-

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