Auf diesen Katalog mit seinen einleitenden Artikeln muß hier ausdrücklich hin-gewiesen werden, weil bekanntlich auch unser Museum zahlreiche Kleinmöbelbesitzt, von denen nicht wenige in unserem Schloßmuseum Golbelsburg ausge-stellt sind. Die vielen, oft sehr schön gearbeiteten, vielfach bemerkenswert bemal-ten alten Kleinmöbel gestatten Einblicke in die Möbelgeschichte von den ver-schiedensten Seiten her. Besonders bemerkenswert erscheint der Beitrag von NinaGockerell, die auf den Spuren des großen Krippenforschers Rudolf Berlinerdieses merkwürdige Gebiet der Nonnenklöster- Kleinmöbel, nämlich der Christ-kindwiegen und der in Stühlen thronenden Christkindpuppen verfolgt. ManchesStück kommt hier wohl zum ersten Mal richtig zur Geltung, so die kleine Längs-schwingerwiege aus Friedberg in der Wetterau, 15. Jahrhundert, die sich im Ber-liner Kunstgewerbemuseum befindet. Bei der sachgerechten Heranziehung derMystikerliteratur denkt man unwillkürlich an E. G. Kolbenheyers großen Roman,, Gottgelobtes Herz", in dem gerade diese Dinge um die aus Wien an MargarteEbner gekommene Christkindwiege so ungemein lebendig dargestellt erscheinen.Leopold Schmidt+
Waltraut Werner- Künzig, Schwarzwälder Trachten. Traditional Foret-Noire. Querformat 96 Seiten mit zahlreichen, größtenteils farbigen Abb. Karls-ruhe 1981, Badenia Verlag.
Veröffentlichungen dieser Art, die vor Jahrzehnten das Antlitz der Volkskundeweitgehend bestimmten, sind selten geworden. Begreiflich, da Trachten im her-kömmlichen Sinn eben auch selten geworden sind. Aber im Schwarzwald werdensie wirklich getragen, wie man sich bei jedem Besuch in dieser schönen Landschaftüberzeugen kann, ähnlich etwa wie im Bregenzerwald oder in der Schwalm, unddaher erscheint es durchaus möglich, eine solche gediegene Darstellung mit einerFülle von in der Gegenwart aufgenommenen Bildern zu veröffentlichen. An Vor-arbeiten fehlt es nicht, bestimmte Dinge wie etwa die dort besonders wichtige Gold-stickerei hat Frau Werner- Künzig selbst gefilmt und anschließend veröffentlicht( Göttingen 1979). So wird man also in diesem Buch sehr sachkundig mit denTrachten der einzelnen Täler, ja der einzelnen Orte- auch mit ihrer konfessio-nellen Bedingtheit- konfrontiert, und kann Bestand und Wandlung sehr gut ver-folgen. Selbstverständlich fehlen nicht Gegenwartserscheinungen wie beispiels-weise die Trachten der aus dem Banat zurückgewanderten ,, Schwaben“ aus Lieb-ling( S. 25), oder das Aufzeigen der Tatsache, daß sich um das Weiterleben derKonfirmationstracht in Freiamt ein hierher versetzter schlesischer Pastorangenommen hat( S. 17). Die Trachtenschneiderinnen, Goldstickerinnen undKränzemacherinnen sind selbstverständlich nicht vergessen. Auch, daß dieschlichten Werktagstrachten ganz anderer Art als die aufwendigen Festtrachtensind, ist nicht übersehen. Es handelt sich also nicht um Ausschnitte, wie diesbei Photobüchern sonst öfter der Fall ist, sondern eigentlich um eine Gesamt-darstellung, aus den vielen und vielfältigen Einzelerscheinungen erarbeitet.
Leopold Schmidt+
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