Margarete Baur- Heinhold, Alte Bauernstuben. Dönsen, Küchen undKammern von den Alpen bis zur See. 216 Seiten mit 362 einfarbigen und 20vierfarbigen Abb. sowie einigen Strichzeichnungen. München 1979, VerlagGeorg D. W. Callwey. DM 79,-.
Aus dem schlanken Band ,, Deutsche Bauernstuben" von 1961 ist also nun einestarke Callwey- Publikation geworden, ohne daß das Buch seine Eigenart verlorenhätte. Es gab und gibt vielfach doch noch diese wichtigsten Wohnräume desHauses im deutschen Kulturgebiet, und sie existieren auch immer noch in der socharakteristischen Zweiteilung, die man grob als„ Oberdeutsch“ und„, Nieder-deutsch ansprechen kann.
Was hier geboten wird, sind vor allem den schau- und photographierbarenObjekten nach vielfach Musterbeispiele, die in Museen stehen. Die wie immervorzüglichen Bilder von Helga Schmidt- Glassner sind in sehr vielen Samm-lungen, auch weniger bekannten, entstanden, wir nennen hier aufs Geratewohlnur Kramsach, Ballenberg, Bern( Historisches Museum), Glentleiten, Starnberg( Fischerhäusl), Amerang( Freilichtmuseum), Schliersee, Illerbeuren, Thann in derRhön, und hoch oben im Nordwesten Bad Zwischenahn, von den bekanntengroßen Sammlungen, den vielbesuchten Freilichtmuseen also ganz abgesehen, dieselbstverständlich fast alle auch ausgewertet wurden. Die Bilder an sich sindeigentlich immer gut, es geht nur wie öfter bei den Callwey- Bänden: Es sind zuviele Bilder auf den Seiten, drei bis vier unter Umständen, und so manches istdurch die Heftung mittenentzwei geschnitten, also wirklich nicht recht ,, anschau-lich“. Es ist durchaus zu verstehen, daß man in einem Band viel unterbringen will.Aber diese Art der Darbietung befriedigt besonders den anspruchsvolleren Bild-betrachter sicherlich nicht.
Sachlich wäre selbstverständlich viel zu fragen, auch wenn der Text knapp aberanschaulich schon alle wichtigen Daten liefert. Ich meine nicht einfache Schreib-fehler wie ,, Zell am Hammersbach", das nun einmal, und zwar fachliteraturgeläu-fig ,,,, am Harmersbach" heißt. Ich meine, daß man bei einem auffälligen Möbelwie dem Kastenbett im Bauernhausmuseum Amerang( Nr. 198) sich doch fragt,wie dieses schablonenbemalte Blankholzmöbel mit den deutlich erkennbarensteirischen Panthern dorthin gekommen sein mag. Oder auch, was eigentlich diecharakteristischen fränkischen bemalten Schellenbögen( Nr. 212) im StarnbergerFischerhäusl machen. Von Wanderhirten geborgenes Gut? Das wäre leicht mög-lich, sollte aber in einer Anmerkung für den sachunkundigen Betrachter dochgesagt werden.
Solche Fragen wird es bei derartigen Bildbänden wohl immer geben. Haupt-sache ist selbstverständlich, daß ein Verlag so schöne Bildbände macht, die dochauch Gegenstand der fachlichen Interpretation sein sollen.
Leopold Schmidt+
Georg Himmelheber, Kleine Möbel. Modell-, Andachts- und Kassetten-möbel vom 13.- 20. Jahrhundert(= Katalog der gleichnamigen Ausstellungdes Bayerischen Nationalmuseums, München 1979). 164 Seiten, 167 Abb. imText, 8 Farbtafeln. München 1979, Deutscher Kunstverlag. S 288,-.
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