Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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wenn man S. 49 liest: Die Zeit des Biedermeier entdeckte die Mundart desVolkes. Man sammelte Volkslieder und versuchte sich in Dialektdichtungen."War das bei Reil der Fall, oder wo sind die Volksliedaufzeichnungen der Zeitaus dem Waldviertel? Da fehlt nun jeder Hinweis, und doch hätte Häusler wenig-stens auf die Sonnleithner- Sammlung von 1819 eingehen können, wo sich dochimmerhin die Aufzeichnungen aus Höchenberg bei Weitra finden, wie jene ausArbesbach, oder die aus Unser Frau am Sand( Walter Deutsch- Gerlind Hofer,Die Volksmusiksammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, 1969, S.104 f., 106 f., 113 f.). Man kann nur hoffen, daß dann, wenn vielleicht einmal eineNeuausgabe des Donauländchens" erfolgen sollte, die Kommentierung dervolkskundlichen Teile des Reilschen Buches nicht fehlen wird.

Leopold Schmidt+

Ingeborg Weber- Kellermann und Regine Falkenberg, Was wir gespielthaben. Erinnerungen an die Kinderzeit. 366 Seiten, mit zahlreichen Abb.Frankfurt am Main 1981, Insel Verlag. DM 36,-.

Kindheitserinnerungen sind, wie schon öfter hingewiesen wurde, eine sehr be-achtliche Quelle für die Volkskunde. Ingeborg Weber- Kellermann hat sie anläẞ-lich der Arbeit an ihrem großen, sehr stoffreichen Werk ,, Die Kindheit( Frank-furt 1979) ausführlich kennengelernt und benützt. Hier wird nun der gesammelteStoff, 80 Beispiele aus zwei Jahrhunderten, einigermaßen geordnet vorgelegt. Esgeht um 12 Kapitel, das erste beginnt mit Erster und Letzter" und das zwölfteschließt mit ,, Vorhang auf und zu", also dem kindlichen Theaterspielen. Die ver-schiedensten Gruppen von Straßenspielen werden angesprochen, also ,, Ver-stecken" ebenso wie Begräbnisspiele" und auch Kriegsspiele., Mut- undKraftproben" fehlen ebensowenig wie ,, Familien- Nachahmungsspiele". Es scheintein gewisser Wert darauf gelegt, Schilderungen von Spielen oder spielähnlichenHandlungen herauszustellen, die sich nicht in die üblichen Gruppen von Kinder-lied und Kinderspiel" einordnen lassen, wie sie durch Böhme, durchLewalter- Schläger oder durch Wehrhan immerhin seit langem gegeben sind. Aus-griffe auf ,, Deutungen etwa im Sinn von Karl Haiding werden überhaupt abge-lehnt. Dagegen scheinen Anregungen von mehr oder minder sozialpsychologi-schen Autoren wie Rühmkorf oder Borneman eher aufgegriffen.

Der umfangreichen Sammlung, die Zeugnisse von sehr bekannten wie von ganzunbekannten Schriftstellern enthält, ist ein Nachwort beigegeben, in dem Frau Weber-Kellermann ihre Einstellung zu den ,, Spielenden Kindern und ihrem Gesetz", zur,, Spielforschung aus volkskundlicher Sicht", zu den ,, Einteilungskategorien und Gat-tungsbegriffen" wie zu den ,, Spieltheorien" dartut. Die kulturhistorische Volkskunde,die zu dem weiten Themenbereich schon manches zu sagen hatte, kommt nicht gutweg. Man hat den Eindruck, daß dieser immerhin seit langem auch als volkskundlichbewertete Bereich einfach nicht volkskundlich kommentiert werden sollte. Man istdaher schon dankbar, daß ein gutes Verfasser- und Quellenverzeichnis und ein ,, Regi-ster der Spiele" geboten werden.

Leopold Schmidt+

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