Franz Hafner, Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart.Eine forstliche Monographie. 396 Seiten, 66 Abb. auf Tafeln. Wien 1979,Österreichischer Agrar- Verlag.
Eine vorzügliche Monographie, von uns aus als hilfswissenschaftliche Stütze zubegreifen. Denn Waldgeschichte, Geschichte der Holznutzung, gehört gerade inunseren Kernländern unbedingt zu den Voraussetzungen einer ländlichen Volks-kunde. Der emeritierte Grazer Professor Franz Hafner hat eine ganze Summevorzüglich erarbeiteter Fakten eingebracht, von der Regelung der Waldnutzung,wie sie die mittelalterlichen Taidinge vorschrieben, bis zur Gegenwart. Vom 16. biszum 19. Jahrhundert wird ein ganzes„ Zeitalter der Waldordnungen“ mit denOriginaltexten bzw. Auszügen faẞbar. Verhältnisse wie die der Waldnutzung zumBergwesen sind ebenso behandelt wie die auch großgerätekundlich bemerkens-werten Anlagen zum Holztransport, mit Riesenbau und Flößerei. Selbstverständ-lich fehlt die Brandwirtschaft ebensowenig wie ein Überblick über Jagd undFischerei, und ein Rundblick über die Hüter des Waldes, vom wirklichen ,, Wald-hüter“ über die Förster, Forstmeister usw. bis zu den Forsttechnikern von heute.Da wäre wohl in mancher Hinsicht von uns aus noch anzuschließen, denn gesell-schaftliche Stellung, Tracht und auch Brauch und Lied haben die Jäger ebenso wiedie Förster immer von ihrer bäuerlichen Umwelt abgehoben, was übrigens auchein Kapitel mehr oder minder trivialer Literatur des 19. Jahrhunderts wäre. Wennman von hier aus auf die im Wald arbeitenden Menschengruppen, also die eigent-lichen ,, Waldarbeiter" und ihre Geräte usw. zurückblickt, wird man bei Hafnerebenfalls gute sachliche Grundlagen zu jeder weiteren Behandlung des Themasfinden. Mit reichen Literaturangaben und gutem Register also ein wirklich hilf-reiches Werk.
Leopold Schmidt t
Johann Anton Friedrich Reil, Der Wanderer im Waldviertel. Heraus-gegeben und eingeleitet von Wolfgang Häusler. 168 Seiten, mit mehrerenAbb. im Text. Wien 1981, Österreichischer Bundesverlag.$ 228,-.
Der aus Ehrenbreitstein stammende Hofburgschauspieler Reil hat sich imfrühen Biedermeier das Viertel ober dem Manhartsberg in Niederösterreich er-wandert. 1823 ist sein ,, Wanderer im Waldviertel“ erschienen, das eine Art vonromantischem Fußwanderer- Tagebuch war. In späteren Jahren erwanderte er sichdie kaiserlichen Herrschaften im Strudengau und schuf daraus sein„ Donauländ-chen", das 1835 erschien und volkskundlich bei weitem bedeutender als das Erst-lingswerk des Schauspieler- Schriftstellers war.
Das liebenswürdige Büchlein von 1823 hat der in Niederösterreich besonderswohlbewanderte Historiker Wolfgang Häusler nunmehr neu herausgebracht. Fastein Drittel des Buches macht seine gediegene Forschungsgeschichte aus, mit derer Reil und sein Werk in den Zusammenhang der niederösterreichischen Landes-kunde stellt. Das bleibt auch dann wichtig, wenn man bald erkennt, daß bei Reilwie auch bei Häusler von Volkskunde nicht die Rede ist. Daran mag man denken,
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