Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
Einzelbild herunterladen
 

Damit im Zusammenhang ergibt sich nun aber, wie Walter Hartinger inseinem äußerst beachtenswerten Vortrag aufzeigte, ein völlig neuer Ansatzpunktfür die Bewertung der Totenbretter. Ausgangspunkt seiner Überlegungen zuNomenklatur und Genese eines Brauches" bildete eine Funktionsanalyse, die ver-deutlichte, daß das seit der Urzeit im Totenbrauch verwendete Brett erst ab 1800,also seit der Auflassung der Beinhäuser, sich vom Bahrbrett zum Verkünd- undGedenkbrett wandelte und daß erst mit dieser Funktion der Begriff des ,, Toten-brettes" verbunden sei. Nicht die Suche nach dem Ursprung, sondern erst diehistorische Verfolgung des Phänomens vermögen seine Entwicklung und seinenStellenwert ergründen. Mit zahlreichen Bildern führte anschließend ReinhardHaller das dem Zeitgeist unterliegende Erscheinungsbild der Totenbretter imBayerischen Wald, seine Hersteller mit ihren Spruchtraditionen, die Standorteund den durch vereinsmäßige Betreuung zum regionalen Symbol stilisierten Be-deutungswandel des Totenbrettes vor Augen. Hier ist erstmals eine umfassendeDokumentation der Totenbretter im Entstehen.

Am Nachmittag des ersten Tages wurde den Teilnehmern auf einer Exkursiondie Gelegenheit geboten, den sehenswerten Karner und das von Fritz Mark-miller vorbildlich gestaltete Museum der Stadt Dingolfing zu besichtigen. Beieiner Zwischenstation wurde dem prächtigen, von den Brüdern Asam ausgestat-teten ehemaligen Zisterzienserkloster Aldersbach mit seiner interessanten Santacasa ein Besuch abgestattet. Bei einem gemeinsamen Abendessen, bei dem eineheimatkundliche Bücherschau auch für geistige Nahrung sorgte, wurde zwar kurz-fristig das Tagungsthema in den Hintergrund gedrängt, man freut sich aber schonheute auf den 5. Band des Jahrbuches, der die reichen Ergebnisse dieser Tagungenthalten wird.

Franz J. Grieshofer

Umgang mit Sachen. Zur Kulturgeschichte des DinggebranchesBericht vom 23. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Volkskundein Regensburg vom 6. bis 11. Oktober 1981

Die Tagungen der DGV zählen zu den größten wissenschaftlichen Veranstaltun-gen des Faches Volkskunde. Ihre Thematik ist ein Gradmesser gegenwärtigerTrends und Forschungsprobleme. Dies gilt besonders auch für das diesmaligeThema Umgang mit Sachen. Zur Kulturgeschichte des Dingebrauches", dasentgegen der sozialwissenschaftlichen Orientierung eine stärkere Hinwendung zurSachforschung signalisiert und der museologischen Arbeit wieder mehr Beachtungschenkt.

Bereits der Eröffnungsvortrag, der im traditionsreichen Reichssaal im AltenRathaus von Regensburg vor der Prominenz aus Politik und Wissenschaft und 400Teilnehmern von Utz Jeggle aus Tübingen gehalten wurde, brachte eine Be-sinnung auf den Wert der Sachen, den dieser im Leben der Menschen einstmalshatte und der nun in der Überflußgesellschaft keine Rolle mehr spiele. Ange-

36