stärkere Orientierung auf volkskundliche Probleme hin; vielleicht könnte man sodurch intensivere Aufarbeitung in den Referaten einer Lösung anstehenderFragen näherkommen.
Barbara Mersich
Volkskunde beschäftigt sich mit dem Thema„, Tod"Bericht von der Tagung der Görres- Gesellschaft in Passauvom 3. bis 7. Oktober 1981
Die Sektion Volkskunde der Görres- Gesellschaft entwickelte sich in den letztenJahren zu einem bemerkenswerten Forum des Faches. Das wird augenscheinlichdurch die von Wolfgang Brückner und Nikolaus Grass besorgte Herausgabeder neuen Folge des„ Jahrbuches für Volkskunde“ unterstrichen. DiePublikationsreihe enthält jeweils die Referate der vorausgegangenen Sektions-tagung und gibt darüber hinaus Einblick in die von der Görres- Gesellschaft ini-tiierte, primär historisch und international ausgerichtete Forschung vorwiegendauf dem Gebiet der Religiösen Volkskunde. Rechtzeitig zum Beginn der Tagungin Passau, die vom 3. bis 7. Oktober dauerte, erschien nun bereits der 4. Band.
Das für die Tagung gewählte Thema„, Tod und Totengedenken", das lange Zeitvon der Gesellschaft und von der Forschung tabuisiert wurde, erfährt gegenwärtigvon verschiedenster Seite neue Beachtung. Wolfgang Brückner, der Organi-sator der Tagung, lenkte daher bewußt das Augenmerk auf dieses wichtigeKapitel menschlichen Daseins, um einerseits die alte Tradition volkskundlicherForschung auf diesem Gebiet zu unterstreichen und um andererseits den neuenTrend zu rezipieren. In seinem an den Schluß der Tagung gesetzten Referat über,, Das alte Thema Tod im Boom der neuesten Literatur" gab er einen Überblicküber den gegenwärtigen Forschungsstand und erhob damit gleichzeitig die For-derung an die Volkskunde, sich wieder stärker mit diesem Thema zu beschäftigen.
Die weiteren Referate behandelten das Beinhaus und das Totenbrett, zwei,, klassische Phänomene der Volkskultur, die jedoch in einen neuen Zusammen-hang gestellt wurden. Vom Mittelalter bis zur Aufklärung bestimmte die Sekun-därbestattung in Beinhäusern die Begräbnissitte. Wie Regula Odermatt-Bürgi aus Stans/ Schweiz in ihrem Beitrag über„, Beinhäuser der Innerschweiz.Volkskundliche Aspekte“ aufzeigte, waren die Beinhäuser Zentrum des Totenge-denkens, ein Ort des Aberglaubens, aber auch der Kommunikation. Sie nahmeneinen wichtigen Platz innerhalb der Gemeinde ein. Fritz Markmiller stelltearchitekturgeschichtliche Untersuchungen an und berichtete über die Ergebnisseseiner Bemühungen um eine Bestandsaufnahme der„ Karner in Niederbayern",die früher allgemein verbreitet waren. Mit der Verlegung der Friedhöfe von derKirche an den Rand der Dörfer setzte ein starker Verfall der nun funktionslosgewordenen Beinhäuser ein, beziehungsweise erfolgte eine Umfunktionierungdieser Gebäude.
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