Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Chronik der Volkskunde

Sonderausstellung

,, Waschtag" des Österreichischen Museums für Volkskunde

Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien zeigt bis Frühjahr 1982die Sonderausstellung Waschtag. Altes Gerät, traditionelle Arbeitsweisen undBrauch beim Wäschewaschen.

Der Untertitel bezeichnet bereits die hauptsächlichen Intentionen der Aus-stellung. Auf der einen Seite werden die Arbeitsgeräte gezeigt, die den Alltag derWäscherin beherrschten, bevor die elektrischen Geräte den Hauptteil der Arbeitübernahmen. Heutzutage, mit Wasch- und Bügelautomaten ausgerüstet, machtman sich kaum mehr einen Begriff davon, was ein Waschtag für die Hausfrau,oder jedenfalls die Frau, die ihn zu besorgen hatte, früher an Mühe und Plage be-deutete. Andererseits soll die Funktion der Dinge erläutert werden, denn vielfachsind die alten Arbeitsmethoden bereits in Vergessenheit geraten, und besondersder Jugend sind etwa Aschenlauge oder Wäschemangel keine Begriffe mehr. DerFunktion als Arbeitsgerät steht aber auch in manchen Fällen die Funktion alsbrauchtümliche Liebesgabe gegenüber. Mit Hilfe von Sachzeugnissen, Bildzeug-nissen und erläuternden Texten sollen sowohl Arbeitsvorgänge wie auch Objektein ihren verschiedenen Bedeutungsformen und-zusammenhängen zum Ausdruckkommen.

Die Ausstellung folgt einer Chronologie der Arbeitstechniken und beginnt miteiner sehr alten Wäschewaschmethode, dem Sechteln. Das Sechteln, auchBauchen oder Laugenwaschen genannt, war früher der Hauptwaschgang. Er be-stand darin, die Wäsche mehrmals mit heißer Lauge zu übergießen. Zur Herstel-lung der Lauge wurde früher hauptsächlich Holzasche verwendet. Sie wurde in eingrobes Leintuch, das über einen Sechtelkorb gebreitet wurde, geleert und dannmit heißem Wasser übergossen. Der Aschenmann, der die Asche in den Häusernsammelte und sie an Hausfrauen und Seifensieder weiterverkaufte, war eine sehrbekannte Figur im alten Wien. Die Verwendung von Holzasche zum Wäsche-waschen ist in Österreich bis nach dem zweiten Weltkrieg bezeugt. Die mühsameLaugenwäsche wurde durch das Kochen der Wäsche abgelöst. Das Wäschekochenwurde aus hygienischen Gründen sehr propagiert. Es geschah im Waschkessel in

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