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wie später auch der anderen Kunst-
In der Beobachtung der Texte von Basilemärchenautoren gelingen Klotz originelle Züge und eindringliche Bilder, undlediglich für die Charakterisierung der Person Basiles hätte er vielleicht die-- in dendeutschen Ausgaben leider ausnahmslos gestrichenen Eklogen heranziehen sol-len. Sie machen den zeitgeschichtlichen und soziologischen Hintergrund aufschmerzhafte Weise sichtbar.
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Unter den folgenden 23 Kapiteln sind erfreulicherweise manche Namen, die sonstmeist übergangen werden, wie jene von Sarnelli, Karl Wilhelm Salice Contessa,Thackeray, MacDonald. Man erfährt sehr viel über die Einstellung zum Wunderba-ren und Zauberhaften, über die Rolle von Verwandlungen und die Aufgaben vonRequisiten. Man bedauert lediglich, daß nicht auch ein Sachregister das immensreichhaltige Material, das Klotz zusammengetragen hat, leichter zugänglich macht.
Zu einzelnen Punkten darf man ein Fragezeichen setzen, bei ganz wenigen wirdman widersprechen.„ Wenn Charles Perrault... hier erstmals Märchen heraus-bringt; und wenn bald darauf... die Mode der Contes de Fées um sich greift:.( S. 65), so darf man ganz einfach aus einem Brief der Mme de Sévigné aus dem Jahre1677 zitieren:„, Mme de Coulanges voulut bien nous faire part des contes avec quoil'on amuse les dames de Versailles, cela s'apelle les mitonner. Elle nous mitonnadonc, et nous parla d'une île verte, où l'on élevoit une Princesse plus belle que lejour; c'étoient les fées qui souffloient sur elle à tout moment..." und so weiter.Man darf vorsichtig schätzen, daß die Feen um 1660 herum in Mode gekommen sind,wie es sich an den Hoffesten in Versailles ablesen läßt.- Auch ist„ Riquet à lahouppe" nicht eine von Perrault erdichtete Erzählung, sondern nur ein geschicktesPlagiat aus der„ Inès de Cordoue" von Cathérine Bernard.
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eine Fülle von
Insgesamt jedoch enthält das Buch- auch in den Anmerkungenbisher häufig übergangenen Detailbildern und informativen Deutungen. Es zeigt,daß die Schwierigkeit, zu sagen, was ein Märchen ist, mit der Tiefe des Eindringensin die Materie noch zunimmt. Der Vorteil ist, daß Märchenstudium so nie langweiligwird.
Felix Karlinger
Die Frau im Märchen( Hgg. von Sigrid Früh und Rainer Wehse)(= Veröf-fentlichungen der Europäischen Märchengesellschaft, Band 8). Kassel, Erich-Röth- Verlag, 1985, 234 Seiten.
Das Thema wäre wichtig und ebenso dankbar. Daß man es auch falsch anpackenkann, demonstrieren die meisten Beiträge dieses Sammelbandes. Einzelne- wie dervon Jack Zippes- streifen das Groteske; eine kleine Kostprobe mag es zeigen. DerArtikel beginnt:„ Madison, Wisconsin. Den Frauen, die diesen Herbst auf die Uni-versity of Wisconsin- Madison zurückkehren, wird geraten, sich nicht nur um ihreStudien zu kümmern, sondern sich auch Sorgen über noch etwas anderes zu machen:ihre persönliche Sicherheit. Die Universität mahnt Frauen, es zu vermeiden, abendsallein auf dem Campus spazieren zu gehen; sie sollen in gutbeleuchteten und starkfrequentierten Gegenden bleiben, wachsam sein, zielgerichtet gehen, auf ihreInstinkte vertrauen und andere Leute suchen, mit denen sie Spaziergänge machenkönnen."( So geht es noch lange weiter, wobei nicht verschwiegen wird, daß es imJuni und Juli 34 sexuelle Überfälle gegeben habe.)
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