landes vor allem die religiöse Volksüberlieferung zu sammeln und zu dokumentie-ren, weil dieses Ziel im allgemeinen kaum Beachtung und nur wenige Bearbeiter fin-det. Dieser Schwerpunkt bedeutet konkret, alle die religiös bestimmten Äußerun-gen im Alltag und Fest der Bevölkerung gegenständlich festzuhalten, Hausaltäreund Haussegen etwa, Wandbilder, Prozessionsschmuck, Versehgerät, Rosen-kränze, Kommunionbilder, Konfirmationsandenken usw.". Dieser Intention ent-spricht die gegenwärtige Ausstellung„ Reliquien- Verehrung“, deren sorgfältig bear-beiteter Katalog Dr. Franz Krins, dem bedeutenden Förderer westfälischer Fröm-migkeitsforschung, gewidmet ist. Das in Westfalen bisher kaum beachtete und nurwenig wissenschaftlich bearbeitete Gebiet der volkstümlichen Reliquienverehrungfindet sich hiermit erstmals museal aufbereitet. Reliquiare und Klosterarbeiten,Altarreliquien, Reliquien- Kreuze,-Anhänger,-Rosenkränze,-Briefchen undandere Formen, Breverl, Reliquiensammlungen, Agnus Dei, Reliquienbildchen,schließlich die Reliquien der Propsteikirche St. Clemens in Telgte, Andenken ausdem Heiligen Land und Reliquien im Umkreis von Wallfahrt und Heiltumsfahrtsowie der Verehrung der hl. Ursula, des hl. Franz von Assisi, des hl. Rocks vonTrier, der hl. Theresia vom Kinde Jesu, des hl. Antonius von Padua und der heuti-gen westfälischen Volksheiligen werden im einzelnen bezeugt und beschrieben. DerGebrauch von Reliquien erfährt eine abschließende Darstellung. Im wesentlichenhandelt es sich bei dem Sammlungsgut um ein barock geprägtes Erbe und dessennachaufklärerischer Weiterbildung; alles ist aus der Überlieferung der katholischenVolksfrömmigkeit Süddeutschlands und Österreichs wohl vertraut und somit zumständigen Vergleich anregend.
Klaus Beitl
Horst Steinmetz( Hg.), Die Coburger Liederhandschrift des J. L. Fried-rich L. Briegleb. Mit einer liedkundlichen Abhandlung über die Lieder derBrieglebschen Sammlung von Otto Holzapfel, Deutsches Volksliedarchiv,Freiburg. Hammelburg, Saaleck- Verlag, 1984, 376 Seiten, 112 Notenbei-spiele.
Seit der wissenschaftlichen Bearbeitung der Handschrift coburgischer Volkslieder( um 1830) von Friedrich Briegleb durch Harry Schewe und Erich Seemann im Jahre1928( Friedrich Briegleb als Sammler und Bearbeiter coburgischer Volkslieder. In:Jahrbuch für Volksliedforschung, 1. Jahrgang, 1928, S. 1-78) gilt der biedermeier-liche Sammler in der Nachfolge der Herausgeber des ,, Knaben Wunderhorn" als derVorläufer der großen landschaftlichen Sammlungen, die mit Hoffmann von Fallers-leben und E. Richter,„, Schlesische Volkslieder mit Melodien"( Leipzig, 1842), ein-setzten und das Bild der modernen Volksliedforschung prägten. Die Liederhand-schrift mit den 112 Liedern von Briegleb wird vom Deutschen Volksliedarchiv inFreiburg/ Breisgau verwahrt.
Horst Steinmetz von der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik hat angeregt,die Schätze dieser Sammlung neuerlich zu heben und sie in einer wissenschaftlichbearbeiteten Edition der Öffentlichkeit erstmals geschlossen zugänglich zu machen.Die Sammlung des Pfarrers Briegleb, dessen biographische Daten sich auf Seite351 f. zusammengestellt finden, ergibt nunmehr ein stattliches Buch, in dem dieHandschrift der„ Volkslieder mit zweistimmigen Weisen, gesammelt und aus-
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