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88 (1985) / N.S. 39
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lichen Gebieten der South Atlantic- Staaten, ihren Zuständigkeitsbereich und dieVielfalt ihrer Aufgaben, gibt Elizabeth Lea der jungen Hausfrau noch einige allge-meine Ratschläge für die Behandlung der Dienstboten, Tischmanieren, Kinderer-ziehung, Blumenzucht und für das Leben als junge Frau überhaupt. Bei all diesenBemerkungen ist es notwendig, den Geist des Quäkertums in Betracht zu ziehen.Nicht bei den Kochrezepten zeigt er sich, wie Weaver in seinem Vorwort ausführlichdarlegt, da die Speisen und ihre Zubereitung nicht so sehr typisch für eine Religions-gemeinschaft, sondern für eine Region und die ethnische Abstammung ihrer Bewoh-ner sind. Da der Großteil der Quäker aus England gekommen ist, findet man natür-lich Elemente dieser Küche, die weiter tradiert werden, so z. B. die Bevorzugungvon Tee gegenüber dem allgemein in Amerika üblichen Kaffee. Das Quäkertumzeigt sich somit vor allem in den Hinweisen, die über bloße Kochrezepte hinausge-hen. Die Quäker, um die Mitte des 17. Jahrhunderts in England entstanden, stehenin der Tradition von Wiedertäufertum und Reformation. Sie lehnen eine hierar-chisch orientierte Kirche, Sakramente, Kriegsdienst und äußerliche Lustbarkeitenab, vermeiden den Genuß von Alkohol( es gibt allerdings einige Rezepte für die Her-stellung eines leichten Bieres und von Fruchtweinen), sie sehen alle Menschen fürgleich an und waren daher frühe Vorkämpfer für die Sklavenbefreiung und dieGleichberechtigung der Frauen.

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In seinem Vorwort beschreibt William W. Weaver die Autobiographie von Eliza-beth Lea( 1793-1858), die, aus einer angesehenen Quäkerfamilie stammend, frühverwitwet und oft bettlägrig, zusammen mit ihrer Freundin und Vertrauten RebeccaRussell eine Farm und neun Kinder durchzubringen hatte und nebenbei ihr Koch-buch verfaßte, dessen Rezepte sie alle selbst ausprobierte. Neben der Person vonMrs. Lea beschäftigt sich Weaver vergleichend auch mit anderen amerikanischenKochbuchautorinnen dieser Zeit, mit der Relevanz von Kochbüchern als histori-scher Quelle überhaupt fußend auf Edith Hörandners ,, The Recipe Book as a Cul-tural and Socio- Historical Document"-, mit der regionalen Herkunft der einzelnenSpeisen sowie mit der Rezeptionsgeschichte von Leas Kochbuch und schließt nochein Glossar an, das einzelne Begriffe und Gerichte ausführlich und im Detail behan-delt, sie in ihrem historischen und volkskundlichen Kontext darstellt. Bescheiden-heit, Ordnung und Güte sind die Tugenden, welche Elizabeth Lea an Hand ihresKochbuches vermitteln möchte, das sie im Sinne ihres Mottos als Unterweisung jun-ger Frauen im Geiste des liberalen Quäkertums verstanden haben will. Es ist ein gro-Bes Verdienst des bekannten amerikanischen Nahrungsforschers William WoysWeaver, dieses Buch herausgegeben und aufgezeigt zu haben, wie ein Kochbuch alsQuelle zu handhaben ist.

Eva Kausel

Reliquien- Verehrung. Katalog der 155. Ausstellung des Museums HeimathausMünsterland vom 30. Juni bis 13. Oktober 1985, zusammengestellt von ThomasOstendorf unter Mitarbeit von Ilsetraut Kopittke. Telgte, Heimathaus Münster-land, 1985, 11 Seiten, 57 Abbildungen.

Das Heimathaus Münsterland( gegr. 1934), das sich, wie fernab sehr wohl zubemerken ist, durch eine rege Ausstellungstätigkeit auszeichnet, umschreibt seineAufgabe selbst so: Es gilt,, neben dem Handwerk und der Volkskultur des Münster-

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