Die vorliegende Arbeit über das Schaustellergewerbe zeigt, daß hier keine homo-gene Berufsgruppe aufscheint, sondern eine nach außen hin zwar geschlossene, aberim Inneren in verschieden integrierte Subgruppen unterteilte gesellschaftliche Rand-gruppe. Die interne Abgrenzung geschieht nach der Herkunft der Angehörigen ausverschiedenen traditionellen Lebenskreisen( Schaustellermilieu, einstige Komö-dianten und Artisten, bürgerlich- bäuerliche Herkunft, Ethnie der Zigeuner Glossary ::: show glossary-entry Zigeuner).
Die auf empirischer Basis durch teilnehmende Beobachtung und Befragung erar-beitete Studie schildert das Alltagsleben der Schausteller mit all seinen Facetten.Wohnkultur und Arbeitsalltag, wirtschaftliche Probleme und Veränderungen desGeschäftsbetriebes durch technische Neuerungen und verändertes Publikumsinter-esse, werden in Schilderungen und präzisen Statistiken dargebracht. Soziale Abstu-fungen in der Berufsgruppe und innerhalb der einzelnen Familienbetriebe bzw.Betriebsgemeinschaften werden feinfühlig aufgezeigt. Die kulturellen Gegebenhei-ten jener nicht seẞhaften oder teilmobilen Berufsgruppe und ihr Verhältnis zur sta-tionären Bevölkerung sowie die Bildungsmisere der Schaustellerkinder stellen einegesellschaftliche Randgruppe dar, die mit eigenen gruppenspezifischen Verhaltens-weisen, Normen und Problemen lebt. Wir begegnen hier noch der Familie und Großẞ-familie als Wirtschaftseinheit, deren Existenz wesentlich von der Integration allerFamilienmitglieder in den Erwerbsprozeß abhängt. Durch die Mobilität des Gewer-bes entsteht eine ghettoartige Lebensform, die sich nicht zuletzt auch in der Kleidungund der fallweisen Verwendung von Geheimsprachen ausdrückt.
Fest- und Feierbräuche sowie ein eigenständiges Vereinsleben dokumentierendiese gesellschaftliche Abkapselung, Sitten und Bräuche fördern oft sogar bewußtdie soziozentrische Identität der Gruppenmitglieder. Die Untersuchung macht somitauch bewußt, daß jede Sozialgruppe, um ihr Bestehen zu sichern, Abgrenzungsfor-men zu anderen Gruppen entwickelt. Weiters wird verdeutlicht, daß die wesentli-chen Vorurteile der seẞhaften Bevölkerung gegenüber dem Schaustellergewerbeeiner historisch- romantischen Sicht entstammen und durch bessere Kenntnis derLebensumstände revidiert werden können.
Ulrike Aggermann- Bellenberg
Wilhelm Rottleuthner, Alte lokale und nichtmetrische Gewichte undMaße und ihre Größen nach metrischem System. Ein Beitrag in Über-sichten und Tabellen. Bearbeitet von Wilhelm E. Rottleuthner. Innsbruck, Uni-versitätsverlag Wagner, 1985, 195 Seiten.
Bedingt durch das vorhandene und immer noch anwachsende Interesse an denLebensformen vergangener Zeiten, wird der Wissenschaftler, der Historiker, Volks-kundler, Jurist, Heimatforscher, Archivar usw., aber auch der interessierte Laie desöfteren mit alten Maßen und Gewichtseinheiten konfrontiert und fragt sich nachihrem Bezug zu gegenwärtigen Skalen, um ein Vergleichsmaß zu finden.
In jahrelanger Arbeit hat Wilhelm Rottleuthner vorliegendes Werk im Manu-skript zusammengestellt, und dieses wurde nun von seinem Enkel neu geordnet,systematisiert und zum Druck gebracht, so daß damit ein Nachschlagewerk geschaf-fen wurde, das sicher gute Dienste leisten wird und eine Lücke in der historischenLiteratur schließt, wie Universitätsprofessor Johann Rainer in seinem Geleitwortbestätigt.
285