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88 (1985) / N.S. 39
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jedoch nicht nur die bislang präziseste Typologie dieses Gerätes auf, er geht auch aufFragen des Alters und der Entwicklung ein. Die Getreidewinde, ein Zwischengliedvon mühsamer Handarbeit und automatisierter Maschinenarbeit, ist im inner-Österreichischen Raum bereits zu Ende des 17. Jahrhunderts archivalisch belegt:nicht zuletzt diese Tatsache nimmt der Autor zum Anlaß, sich kritisch mit mono-kausalen Herleitungsversuchen"( fernöstliche Herkunft der Windfegen) zu befassenund wie Meiners- auch mögliche Beziehungen zu den Windmaschinen des früh-neuzeitlichen Montanwesens anzudeuten. Wichtig ist auch der Hinweis auf die Lük-kenhaftigkeit der Agrarliteratur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, deren Quel-lenwert somit fragwürdig ist und deren Angaben zu Form und Verbreitung der Korn-fege durch vorliegende Untersuchungen korrigiert werden müssen.

Mosers Arbeitsweise, Archivforschung( mit dem Ziel exakter historischer Diffu-sionsforschung) und vergleichende Untersuchungen an Originalgeräten zu verbin-den, erweist sich erneut gerade für die Sach- und Geräteforschung als optimal. Daßdiese ,, Materialien zur... Getreidewinde" auch für die volkskundliche und agrarge-schichtliche Museologie unentbehrlich sein dürften, kann wohl angenommen wer-den.- Mehrere Register, ein genaues Literatur- und Abbildungsverzeichnis sowie15 Abbildungen( die man sich im Text gewünscht hätte, was wahrscheinlich ausdrucktechnischen Gründen nicht möglich war) runden die Arbeit ab( deren Auf-nahme in die Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde" dem Rezen-senten beweist, daß Gegenwartsvolkskunde" letztlich doch nur das bezeichnet, wasVolkskundler gegenwärtig forschen).

Olaf Bockhorn

Elisabeth von Walderdorff, Alte Kaffeemühlen. Geschichte, Form und Funk-tion eines Küchengeräts aus der Zeit unserer Großmütter. München, CallweyVerlag, 1982, 216 Seiten, 254 Fotos von Elisabeth Bernrieder im Anhang, Abb.im Text.

Dietrich Samrowski, Geschichte der Kaffeemühlen. Grundlagen. München1983, 88 Seiten, Skizzen, Tabellen. Vervielfältigt( 25 numerierte Exemplare).

Alte Kaffeemühlen gehören vor allem in den letzten Jahren zu den beliebten Sam-melobjekten. Diesem Trend trug der Callwey Verlag Rechnung und veröffentlichtevorliegendes Buch von Elisabeth Walderdorff, das vor allem Sammler ansprechensoll und sicher auch wird. Neben einem übersichtlich gestalteten Einführungstextenthält das Buch vor allem reiches Bildmaterial. Die Geschichte der Kaffeemühlekann selbstverständlich nicht getrennt werden von der Geschichte des Kaffees über-haupt, seiner Verbreitung und Ausbreitung in Europa, seiner Zubereitung undseiner Bedeutung als Nahrungs- bzw. Genußmittel. Elisabeth Walderdorff schildertanekdotenreich und, für meinen Geschmack, etwas zu betulich, die Ausbreitung die-ses orientalischen Glossary ::: show glossary-entry  orientalischen Getränkes, das aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist.Neben der Entwicklung seines Namens aus dem arabischen Qahwa" geht sie auchauf die Entstehung des Kaffeehauses ein, wobei auf die für Wien so typische Kaffee-hauskultur und-literatur nur beiläufig verwiesen wird. Die in Österreich gebräuchli-che Schreibweise des Erfinders" des Kaffeehauses ist zudem Kolschitzky und nichtKoltschitzky. Daneben beschreibt sie auch die Ausbreitung des Kaffeeanbaues, denHandel, die medizinischen Indikationen des Getränkes und seine Ablehnung auf

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