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88 (1985) / N.S. 39
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,, Halberstädtischen gemeinnützigen Blättern zum Nutzen der Armen, erschienenab 1785, gilt die Untersuchung von Anneliese Schmitt. Über die Rolle antifeudalerund demokratisch- revolutionärer Lieder und Gedichte in der Zeit nach der Franzö-sischen Revolution schreibt schließlich Brigitte Emmrich. Genaue Register sowie30 Abbildungen beschließen den Band, über dessen Entstehung und ZieleR. Weinhold in der Einleitung( S. 7 ff.) referiert. In Fortsetzung von Gedankenund Themenkreisen, die im Abriß zur Geschichte der Kultur und Lebensweise derwerktätigen Klassen und Schichten des deutschen Volkes vom 11. Jahrhundert bis1945"(= Wissenschaftl. Mitteilungen d. Deutschen Historiker- Gesellschaft. Berlin1972, Heft I- III) erstmals formuliert worden waren, sollen im vorliegenden Werkfür die Übergangszeit vom Feudalismus zum Kapitalismus Frühformen von Erschei-nungen behandelt werden, welche dann das Volksleben im kapitalistischen Zeitalterprägten. Die neu gewonnenen Einsichten vermögen spezifisch volkskundlicheAspekte bei der Herausbildung der Arbeiterklasse, im historischen Feld zwischenZunft und Fabrik, zu erhellen. Der mit diesem Begriffspaar gekennzeichnete ökono-mische, soziale und kulturelle Wirkungsbereich formt über das Leben des frühen,politisch noch nicht als Klasse konstituierten Proletariats hinaus zunehmend die Exi-stenz breiter Teile auch der anderen werktätigen Klassen und Schichten dieser Zeit"( S. 19). Die Einleitung bietet insgesamt eine kurze Darlegung der Position derVolkskunde in der DDR ab etwa 1970, nach der die Volkskunde eine ihrem Wesennach ,, historische Disziplin" ist und ebenso eine Auseinandersetzung mit der, bür-gerlichen Sozialgeschichtsschreibung und der volkskundlichen historischen For-schung in der BRD, welchen eine subjektivistische Grundposition" vorgeworfenwird( S. 16), zum Teil wohl in Unkenntnis neuerer sozialhistorisch ausgerichteterArbeiten.- Unabhängig davon, ob man nun wie die Autoren von den Prinzi-pien des historischen Materialismus ausgeht oder nicht, wird man in diesen regional-historischen Beiträgen zu Kultur und Lebensweise im Manufakturzeitalter einen fürdie Volkskunde bedeutsamen Ansatz erkennen, den stärker zu verfolgen sich auchanderswo lohnen würde.

Olaf Bockhorn

Károly Mollay, Német- magyar nyelvi érintkezések a XVI. századvégéig( Deutsch- ungarische sprachliche Kontakte bis Ende des 16. Jahrhun-derts). Budapest, Akadémiai Kiadó( Akademie- Verlag), 1982, 643 S.

Die unmittelbaren ungarisch- deutschen( althochdeutschen) sprachlichen( undnatürlich auch kulturellen) Kontakte begannen gegen Ende des 10. Jh. Bereits im10. bis 11. Jh. trafen zahlreiche kirchliche und weltliche Personen in Ungarn ein,anschließend begann die massenhafte Einwanderung. Im Unterschied zu öster-reichischen Forschern( E. Kranzmayer) vertritt allerdings K. Mollay die Ansicht,deutsche Ortsnamen kämen in Ungarn erst seit dem 11. Jh. vor( z. B. Nowendorf).Von richtungsweisender Bedeutung sind für die Volkskunde die Lehnwörter alt-,mittel- und neuhochdeutschen Ursprungs, die hauptsächlich durch bayerisch- öster-reichische und siebenbürgisch- sächsische Vermittlung in die ungarische Sprache ein-gingen und auch die Struktur der Volkskultur beeinflußten. Forscher der Religions-volkskunde sollten nicht übersehen, daß die ungarischen Termini für Fasching",Fastenzeit, Pfingsten" frühe deutsche Lehnwörter sind. Der ungarische Aus-druck für, Pfingsten" gelangte in der ersten Hälfte des 11. Jh. durch bayerische

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