Volume 
88 (1985) / N.S. 39
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M. A. Höfer geht einen Mittelweg: In seinem Beitrag über Aggression und Ver-haltensforschung diskutiert er kurz alle gängigen Agressionstheorien. Die Lorenz-sche Theorie vom Agressionstrieb verdeutlicht er am Beispiel der unterschiedlichenErklärungsansätze für die Gewaltdarstellung in den Medien. Die so stark divergie-renden psychologischen Tests werden damit erklärt, daß die aggressionssteigerndeoder abreagierende Wirkung medialer Gewaltszenen von der jeweiligen triebstaube-dingten Stimmung des Zuschauers abhängig ist. Abschließend kritisiert Höfer gesell-schaftspolitische Kompetenzüberschreitungen von Eibl- Eibesfeldt, die er meistensdort entdeckt, wo analog von Bedingungen der in Kleingruppen lebenden Men-schen... auf soziale Großgruppen( geschlossen wird)"( S. 182).

Für den Volkskundler sind noch die Beiträge von D. Byer über die ,, politischeAnthropologie im Austromarxismus und von G. Hajós über Heimatschutz undUmweltschutz von zwar nicht fachspezifischer, aber doch fachbezogener Bedeu-tung, weil hier beispielsweise Themen zur Sprache kommen, die wegen ihrer politi-schen Brisanz bislang eher tabuisiert wurden. Gleichwohl macht es sich Hajós ein-fach, wenn er den Umweltschutz, unter Hinweis auf dessen Wurzeln im konservati-ven Heimatschutz, zu diffamieren sucht.

Michael Martischnig

Rudolf Weinhold( Hg.), Volksleben zwischen Zunft und Fabrik. Studienzu Kultur und Lebensweise werktätiger Klassen und Schichten während des Über-gangs vom Feudalismus zum Kapitalismus(= Veröffentlichungen zur Volkskundeund Kulturgeschichte, Bd. 69). Berlin, Akademie- Verlag, 1982, 539 S., 30 Abb.auf XVI Tafeln, 3 Karten und 3 Fig.

Der vorliegende Studienband vereint acht Arbeiten, die sich mit Kultur undLebensweise der Werktätigen in dem im Untertitel angeführten Zeitraum( beginnend mit der Wiederaufbauarbeit in den achtziger Jahren des 17. Jahr-hunderts, in der Folge geprägt durch den Aufschwung des Verlags- und Manu-fakturwesens und dem damit verbundenen ökonomischen und sozialen Differen-zierungsprozeß, endend etwa mit 1830, der ersten Phase der bürgerlichenUmwälzung und des Übergangs zum großindustriellen Proletariat) beschäftigen,wobei das Untersuchungsgebiet Kursachsen( und der angrenzende Raum) ist.Helmut Wilsdorf behandelt das durch technische Novationen bedingte Auf-kommen von Berg- Fabriquen"( insbesondere Hütten und Hämmer), welcherAusdruck zu Ende des 18. Jahrhunderts das ältere Bergmanufacture" ersetzte.Bernd Schöne arbeitet über Textilproduzenten( Posamentierer Strumpfwir-ker-Spitzenklöpplerinnen ist der Titel des Aufsatzes) im Vogtland und imErzgebirge; Rudolf Weinhold analysiert die Keramikproduktion in Sachsenund Thüringen. Im Schattenkreis der Residenz nennt Siegfried Kube seineAuseinandersetzung mit Problemen der Werktätigen Dresdens im 18. Jahrhun-dert. Das Armen-, Bettler- und Räuberwesen" in Kursachsen in der 1. Hälftedieses Säkulums beschreibt Alfred Fiedler. Rudolf Quietzsch geht in,, Arbeit und Gerät altenburgischer Bauern zwischen 1700 und 1840" insbe-sondere der Frage nach der Innovation nach, ab 1750 durch eine ökonomisch-literarische Aufklärung gefördert. Einem Produkt dieser Aufklärung, den

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