schaft hat mit dem Heimgang von Heinz Kindermann ihr Ende gefunden, währendseine Werke und Ideen weiterleben werden.
Klaus Beitl
Zum Gedenken an Prof. Dr. Kurt Ranke
Am 6. Juni 1985 ist der emeritierte Ordinarius für Volkskunde, Prof. Dr. KurtRanke, seit 1968 korrespondierendes Mitglied unseres Vereins, in Stadensen beiUelzen verstorben. Damit hat nach langer, schwerer Krankheit ein ungewöhnlicherfolgreiches Gelehrtenleben ein Ende gefunden.
Kurt Ranke wurde am 14. April 1908 in Blankenburg im Harz geboren und wuchsin Essen auf. Er studierte in Bonn, München und Kiel Germanistik, Geschichte undKirchengeschichte. Seine 1933 eingereichte Dissertation zum Märchentyp„ Die zweiBrüder“ und die Habilitationsschrift von 1938 über„ Indogermanische Totenver-ehrung"( erschienen 1951) kennzeichnen schon seine Interessenschwerpunkte in dervolkskundlichen Erzählforschung wie in der Altertumskunde. Nach kurzer Tätigkeitam Grimmschen Wörterbuch in Berlin wirkte er zunächst als Assistent, dann nachden an der Front verbrachten Kriegsjahren als Dozent und ab 1951 als ao. Professorin Kiel. Dort entstand neben zahlreichen Studien zur Volkserzählung und anderenGattungen mündlicher Überlieferung die dreibändige Standardausgabe der„, Schles-wig- Holsteinischen Volksmärchen“. Gleichzeitig entwickelte Ranke den Plan zur„ Enzyklopädie des Märchens“, die nicht, wie zunächst vom Verlag Walter deGruyter, Berlin, angeregt, eine Fortsetzung des im Kriege eingestellten ,, Handwör-terbuch des deutschen Märchens" werden sollte, sondern ein international ausge-richtetes Nachschlagewerk zur historischen und vergleichenden Erzählforschung.
Die von Kurt Ranke 1958 gegründete Zeitschrift FABULA und der im Jahr daraufunter seiner Ägide in Kiel und Kopenhagen abgehaltene Kongreß der„, InternationalSociety for Folk Narrative Research", deren Präsident er von 1959 bis 1974 war,halfen bestehende Kontakte mit den Kollegen in aller Welt enger knüpfen. Mit derBerufung auf den volkskundlichen Lehrstuhl in Göttingen im Jahre 1960 ergabensich neue Lehr- und Forschungsaufgaben. Ranke wurde zum Mitherausgeber derNeubearbeitung des„ Reallexikons der Germanischen Altertumskunde“ und grün-dete die Niedersächsische Landesstelle für Volkskunde mit der Außenstelle inRotenburg/ Wümme. Daneben liefen, nunmehr von der Deutschen Forschungsge-meinschaft und der Stiftung Volkswagenwerk finanziell gefördert, die Vorarbeitenfür die Enzyklopädie weiter. Ranke konnte ein kompetentes Herausgebergremiumgewinnen und mit seinem Organisationstalent das Redaktionsteam erweitern.
Nach der Emeritierung im Jahre 1973 widmete Ranke sich bis zu seiner Erkran-kung unermüdlich und prägend dem Fortgang des Werkes, das man heute angesichtsder bereits vorliegenden vier Bände und einer weiteren Lieferung als das bedeutend-ste Publikationsvorhaben im Rahmen der Volkskunde bezeichnen kann; die Wir-kung geht jedoch weit über das Fach hinaus. In Anerkennung seiner Verdienstewurde Kurt Ranke 1977 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttin-gen ernannt, die 1980 auch die Enzyklopädie in ihre Obhut nahm.
Einen Überblick über das vielseitige Œuvre bot schon die Bibliographie in der zum60. Geburtstag von Kollegen und Schülern überreichten Festschrift ,, Volksüber-
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