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88 (1985) / N.S. 39
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Der Arbeitsbericht( W. Endres) bezog sich vor allem auf wichtige Ausstellungenund Publikationen aus dem Umfeld des Arbeitskreises( Hinweise finden sich in denjährlichen Folgen zur Keramikliteratur in den Bayerischen Blättern für Volkskunde,Inst. f. Deutsche Philologie der Universität Würzburg, Am Hubland, ab 1978). AlsTagungsorte für die kommenden Jahre sind Ungarn( 1986), Obernzell( 1987, zum20jährigen Bestehen des Arbeitskreises) und möglicherweise 1988 die Zentral-schweiz im Gespräch. Ingolf Bauer gedachte des 10jährigen Todestages von PaulStieber, des Gründers des Deutschen Hafnerarchivs, aus dem der Arbeitskreis ent-standen ist und dessen Traditionen er weiterführt.

Der erfolgreiche Verlauf der Tagung ist nicht zuletzt der Schirmherrschaft desRegierungsbezirkes Unterfranken( Präsident Dr. Gerstner) zu verdanken, der ver-schiedene Teilnehmer aus dem Ausland als seine Gäste eingeladen hatte, und vorallem der vor Ort für die Teilnehmer sehr gut organisierten Vorbereitung undDurchführung durch den Leiter des Spessartmuseums Werner Loibl und der tatkräf-tigen Mithilfe seiner Mitarbeiter Dagmar Haas und Herbert Bald.

Werner Endres

12. Güssinger Begegnung 1985: ,, Märchen und Schwank"

Dem Märchen und dem Schwank" war die diesjährige Güssinger Begegnungsie war die zwölfte, machte also das Dutzend voll- gewidmet, und wer befürchtethatte, das Thema sei zu exklusiv und für Autoren nicht attraktiv genug, wurde einesBesseren belehrt, denn über sechzig Mundartforscher, Mundartautoren undFreunde der Volkskultur kamen aus Österreich, der Bundesrepublik Deutschlandund Ungarn nach Güssing, um an der Tagung von Anfang bis zum Ende oder zumin-dest für ein, zwei Tage teilzunehmen.

Und sie erarbeiteten und erhielten in diesen drei Tagen ein ganz neues Bild vomLeben und Weiterleben dieser Art von Volkserzählung, ein Bild, das die Meinung,Märchen seien kitschig, unwahr, repressiv und weltfremd Lügen strafte und deutlichmachte, wie sehr die Gesellschaft das Märchen und das Märchen die Gesellschaftveränderte und verändert und wie unmittelbar die Realität im Bilde des Märchenswidergespiegelt wird.

Den Vortragsreigen eröffnete Univ.- Prof. Dr. Leander Petzold( Innsbruck) miteinem Referat Literatur und Volksschwank", in dem der Wissenschaftler nicht nurdie Definition der Literaturform Schwank, sondern eine plastische Darstellungder Entwicklung dieser Form der Volksliteratur bis über das Barock hinaus gab; inunsere Zeit führte dann Univ.- Prof. Dr. Lutz Röhrich( Freiburg i. B.) mit seinenReferaten Möglichkeiten und Veränderungen des Märchens in der Gegenwartund ,, Der Froschkönig- Interpretation eines Märchens", in denen er aufzeigte, wiesehr das Märchen auch heute noch nicht nur als Erzählstoff für Kinder, sondernauch in der Satire, Reklame, Politik und Karikatur- eingesetzt wird und weiterlebt.Am zweiten Tag berichtete dann Univ.- Prof. Dr. Vilmos Voigt( Budapest) ineinem umfang- und datenreichen Referat über den Stand der Märchenforschung imsüdosteuropäischen Raum und gab Prof. Franz Probst einen Überblick über den Ein-fluß und das Weiterleben des Märchens auf das und auf dem Theater. Ein speziellesund von den Märchenforschern und Psychologen oft diskutiertes Thema

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