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88 (1985) / N.S. 39
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und Herstellungstechniken vor Augen führten. Vom einfachen, bei Bedarf mitKreide auf den Stubentisch gemalten Spiel, über bäuerliche, selbstgekerbte Weich-holzspiele, bürgerliche Spielkombinationen bis hin zu kostbaren herrschaftlichenSpieltischen spannte sich der reichhaltige Bogen der Präsentation. So umfangreichwie kunsthandwerkliche Vielfalt war auch die Mannigfaltigkeit der gezeigten Brett-spielmöglichkeiten. Ja, es kann durchaus festgestellt werden, daß wohl jedes, in denletzten Jahrhunderten in Europa beliebte Brettspiel zu sehen war.

Herkunft, Geschichte und Verbreitung der Brettspiele wurden in Fotomontagenund Skizzen erläutert, die bis in vorchristliche Zeit und außereuropäische Kulturenweiterführten. Die Bedeutung des Spiels für den Menschen von der Frühzeit bis zurGegenwart, in Volks- und Hochkultur wurde so eindrucksvoll vor Augen geführt.

Die kulturhistorisch hochinteressante und bedeutungsvolle Verquickung vonSpiel und ernster Alltagswelt stellte ein steirisches Nöckelbrett" vor, ein Kochgerätalso, das von Holzknechten und Sennerinnen zur Zubereitung ihrer Alltagskostgebraucht wurde und auf dessen Rückseite ein Spielbrett( meist eine, Mühle" oder,, Fuchs und Henn"") eingeritzt ist.

Wie vielfältig die Herstellungstechniken für Spiele sein können, soll noch an Handdreier guẞeisener Schachspiele dargestellt werden. Die Figuren jener zwischen 1830und 1860 in Mariazeller Kunsteisenguß erzeugten Spiele können kunsthandwerkli-che Miniaturen von internationalem Rang genannt werden, gleichzeitig stellen sieaber eindrucksvolle Zeugnisse des frühen Industriezeitalters dar.

Frau Dr. Maria Kundegraber ist mit dieser Ausstellung eine wertvolle kulturhisto-rische Präsentation gelungen, die weit über die eigentliche Volkskunde hinausgehtbzw. die Volkskultur als einen eigenständigen Teilbereich in der Gegenüberstellungzur europäischen Hochkultur und zu außereuropäischen Frühkulturen zeigt.

Allen Liebhabern kunsthandwerklich gefertigter Brettspiele sei noch bekanntge-geben, daß das Steirische Volkskundemuseum Repliken eines seiner Sammlungsge-genstände bäuerlicher Herkunft anbietet. Diese volkstümliche Spielkombinationbesteht aus einem Weichholzbrett, in das auf einer Seite ein Mühlebrett und auf deranderen Seite ein Fuchs- und- Henn- Spiel in Kerbschnittarbeit eingeschnitten undmit Zimmermannsfarbe eingefärbt ist. Dazu werden Spielhölzchen und Bohnen alsSpielsteine angeboten.Ulrike Aggermann- Bellenberg

Museumsfest auf Schloß Trautenfels

Am 8. und 9. September 1985 veranstaltete das Landschaftsmuseum Schloß Trau-tenfels ein Museumsfest, das die Kontakte zwischen Museum und Bevölkerungerneut vertieft hat.

In den verschiedenen Abteilungen des Museums erläuterten Handwerker,Restauratoren, Präparatoren und aktive Freunde des Museums alte und neue Hand-werkstechniken. Alle diese Aktivitäten werden stets als offene Workshops geführt,so daß es dem Besucher überlassen bleibt, als Beobachter oder aktiv Teilnehmenderzu lernen und zu erfahren. Zur Wahl standen für Kinder und Erwachsene: Spitzen-klöppeln, Holzbearbeitung durch den Zimmermann, Töpfern, Backen eines Prügel-krapfens und Armbrustschießen. Speziell für Kinder wurde geboten: Öllampen aus

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