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88 (1985) / N.S. 39
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Chronik der Volkskunde

Zur Ausstellung von Fingerringen im Österreichischen Museum für VolkskundeAm 26. Oktober 1985 öffnete sich im Österreichischen Museum für Volkskundeeine Ausstellung: Fingerringe." Diese aus den Museumsbeständen gestaltete unddurch Leihgaben ergänzte Schau zeigt: I. Liebes- und Eheringe, II. Siegelringe,III. Kirchliche Ringe, IV. Ringe mit Sinn- und Segenszeichen, V. Schlagringe,VI. Schmuckringe, VII. Ringe aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, VIII. Ehren-und Jubiläumsringe. Die einzelnen Gruppen lassen sich teilweise schwer auseinan-derhalten, doch war es von Vorteil, das reiche Material so gut wie möglich zu glie-dern.

Der von Frau Dr. Gudrun Hempel sorgsam gestaltete Katalog verzeichnet 244Objekte. Dem Vorwort des Museumsdirektors, Prof. Dr. Beitl, ist zu entnehmen,daß es darum ging, über den engeren Horizont bisheriger volkskundlicher Betrach-tungsweise hinaus die Vielfalt von Aspekten des Fingerringgebrauches und der Fin-gerringsymbolik aufzuzeigen". Frau Dr. Hempel erinnert in ihrem Geleitwort an dieSagen und Märchen von Zauberringen, auch daß der Ring, der Kreis, der wederAnfang noch Ende hat, als Sinnbild der Ewigkeit betrachtet wurde.

Was dem Besucher der Ausstellung zum Betrachten vorgelegt ist, besteht nur zumgeringsten Teil aus kostbaren Prunkstücken, ausgenommen die als Leihgabe gezeig-ten Insignien kirchlicher Würdenträger. Es hatte sich ja nicht darum gehandelt,materielle Werte, sondern Stücke mit Aussagekraft zu zeigen! Im Katalogtext sindden einzelnen Gruppen aufschlußreiche Erläuterungen vorangestellt. Reichlich bei-gegebene Abbildungen machen auch demjenigen, der die Ausstellung nicht besu-chen konnte, auf die Bedeutung der Exponate aufmerksam. Jeder Ring ist beschrie-ben, Material und Arbeitstechnik erforscht und, soweit es möglich war, eine zeitlicheEinordnung vorgenommen worden.

Nach verdienter Würdigung der geleisteten Arbeit, um ein so mannigfaltigesGebiet zu erschließen, soll es nur als ein Weiterführen der gegebenen Anregungenaufgefaßt werden, wenn hier angedeutet wird, was man noch einbeziehen könnte,um die Darstellung zu bereichern. Zum Beispiel sind die seinerzeit den Quellgötterngeopferten Ringe nicht vertreten. Vielleicht gelingt es der Museumsleitung gelegent-lich, einige Beispiele zu erwerben. Größere Funde wurden seinerzeit anscheinend inalle Welt verstreut. Man fand 1841 in Bad Bergfall im Pustertal sechshundert Opfer-

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