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88 (1985) / N.S. 39
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Vor vierzig Jahren

Bericht über das Österreichische Museum für Volkskunde in Wienwährend der letzten Kriegsjahre und der ersten Nachkriegsmonateim Jahre 1945

Von Gertrud Heẞ- Haberlandt

Da ich fast die einzige bin, die das Schicksal des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde in Wien während der Kriegszeit und zuKriegsende persönlich miterlebt hat, halte ich es für richtig, schrift-lich festzuhalten, was ich darüber weiß.

Seit seiner Gründung im Jahre 1895 war das Museum für Volks-kunde Eigentum des Österreichischen Vereines für Volkskundeund ist es bis zum heutigen Tage geblieben. Deshalb nahm es in denJahren 1938 bis 1945 gegenüber staatlichen Verfügungen einegewisse Sonderstellung ein. Der Verein für Volkskunde wurde,soviel ich mich erinnere, 1938 prompt einem deutschen Dachver-band in Düsseldorf eingegliedert, was aber eigentlich bedeutungs-

los war.

Viel wichtiger war, daß mein Vater in den späteren Kriegsjahrenden behördlichen Anordnungen zur kriegsbedingten Verlagerungder Bestände staatlicher Museen in bombensichere Gebiete nichtzwangsläufig Folge leisten mußte. Folgende Überlegungen veran-laẞten meinen Vater, trotz voraussehbarer und drohender Luftan-griffe, auf den Verbleib der Museumsbestände in Wien zu behar-

ren:

Das Schönbornpalais verfügte über einen geräumigen, massivenalten Keller, der zumindest für die Bergung der volkskundlichenSammlungen, allerdings ohne das Großmobiliar, ausreichte. Schonallein der Bahntransport der Museumsgüter bedeutete nach Mei-

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