Volume 
88 (1985) / N.S. 39
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im Märchen( S. 22 ff.), einem fundamentalen Archetypus, der den Protagonistenzum Wandernden macht( Entwicklung wird im Bild der zurückzulegenden Weg-strecke manifest, Entscheidung als Kreuzweg wobei der rechte Weg immer derschwierigere ist); Heino Gehrts analysiert an vielen Beispielen die semantischeSchattierung von, Wald im Märchen( S. 37 ff.), als Zone der Prüfung auf demSchicksalsweg( an Literatur wäre hier vielleicht noch Leopold Schmidts Aufsatz zum,, Niemandsland" nachzutragen: Volksglaube und Volksbrauch. Berlin 1966,S. 56 ff., der im ersten Teil spezifisch auf die Funktion des Waldes im Märchen ein-geht); Der Brunnen, lautet der Beitrag von Ursula Heindrichs( S. 53 ff.), der dieAmbivalenz dieses unentbehrlichen Märchenrequisits als Lebensspender, aber auchals Todesbringer, als Verwandler, Unterweltstor, Dämonenbehausung, Heil- undReinigungsquelle usw. ausspannt; Ágnes Kovács analysiert ,, Das Märchen vom him-melhohen Baum( S. 74 ff.) in seinen ungarischen Varianten und nimmt auf scha-manistische Motive Bezug; Felix Karlinger nimmt sich einen anderen Archetypusvor: Das Meer"( S. 84 ff.), das im mediterranen Raum ähnliche Funktionen ein-nehmen kann wie der Wald( Grenz- und Jenseitsbezirk, wobei sich in nordischenMärchen das Meer ,, dämonischer" gebärdet als im Mittelmeerraum); zum Symplega-denmotiv steuert Heino Gehrts einen zweiten Beitrag bei: Die Klappfelsen"( S. 92 ff.); mit einem seltsamen Motiv der ungarischen Märchenwelt beschäftigt sichSándor Solymossy: Die Burg auf dem Entenbein"( S. 123 ff.); Otto Huth behandeltden Glasberg( S. 139 ff.), August Nitschke Das Bild der Zukunft im europäi-schen und außereuropäischen Märchen( S. 156 ff.), ein kulturanthropologischerAnsatz des unterschiedlichen Zeitverständnisses in den Volkserzählungen innerhalbund außerhalb Europas. S. 171-188 bringen die Anmerkungen.

Vor allem den letzten beiden Bänden aus dem Jahre 1984 ist ein verstärkter Zugzur Wissenschaftlichkeit eigen, der diese Veröffentlichungsserie der EuropäischenMärchengesellschaft immer mehr zu einem wissenschaftlichen Organ der internatio-nalen Erzählforschung macht, eine Entwicklung, die unbedingt zu begrüßen ist.Walter Puchner

Rainer Wehse, Warum sind die Ostfriesen gelbim Gesicht? Die Witze der11- bis 14jährigen Texte und Analysen(= Artes populares. Studia ethnogra-phica et folkloristica, Bd. 6). Frankfurt/ M.- Bern, Peter Lang, 1983, 193 Seiten,Tabellen.

Vorliegende Untersuchung ging aus einem Seminar Kinderwitz: Theorie undPraxis", welches Rainer Wehse im Wintersemester 1978/79 am volkskundlichenSeminar der Universität Göttingen durchführte, hervor. Nachdem am Ende diesesSemesters die Untersuchungen an einem Gymnasium abgeschlossen waren,beschloß eine interessierte Gruppe die Fortführung dieses Projekts und die Publika-tion der Ergebnisse.

Das Witzrepertoire der Kinder je einer 7. Klasse einer Haupt- und einer Ober-schule wurde auf Tonband aufgenommen, Fragebögen sollten beantwortet werden,und anschließend wollte man durch Einzelinterviews noch weitere Aufschlüsseerbringen. Sämtliche 260 aufgenommenen Witze- auch Scherzfragen, Rätsel usw.,die eigentlich nicht zur Erzählgattung Witz gehören, aber von den Kindern nichtstreng unterschieden werden, wurden mitberücksichtigt- sind, wortgetreu über-

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