gearbeitet und enthält sowohl Hochzeitstischtücher und Taufdecken aus musealenBeständen wie auch alte Stickvorlagen für Arbeiten zum Weihnachts- und Osterfest-kreis. Fastenmotive aus dem Telgter Hungertuch von 1623 und Anregungen fürkleine Geschenke ergänzen das Angebot. Mit der Zeit des Biedermeiers und derenoffensichtlicher Prädestination für weibliche Handarbeiten setzt sich Regina Forst-ner in ihrem 1983 erschienenen Kreuzstichmusterbuch auseinander. Die Autoringibt eine europaweite kurze Geschichte des Stickmustertuches, wobei sich zeigt, daßdie Quellen in England am besten bearbeitet sind, und verweist auf die sogenanntenModelbücher, deren frühest bekanntes aus Augsburg aus dem Anfang des 16. Jahr-hunderts stammt und welche als Stickmustervorlagen gedient haben. Kurze Anmer-kungen über Motive und Muster und deren technische Ausführung ergänzen denTextteil des Buches. Im Anschluß folgen farblich ausgezeichnet reproduzierte Abbil-dungen von Stickmustertüchern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus demBesitz des Historischen Museums der Stadt Wien, die gefolgt werden von Muster-zeichnungen, welche die Details der einzelnen Vorlagen vergrößert wiedergeben.Das jüngst erschienene der hier besprochenen Bücher unter dem Titel„, Alt- WienerStickmuster" von Frieda Pollak- Sorer beschränkt sich textlich auf eine dreiseitigeEinführung, in der die Herkunft der nachfolgend abgebildeten Motive und der dazu-gehörigen Musterblätter erläutert wird. Es handelt sich dabei um eine Auswahl ausden über 3000 Stickmustervorlagen des Wiener Verlegers Heinrich Friedrich Müller,die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weit über Wien hinaus Verbreitung fan-den.
Sind die vorgestellten Bücher auch von unterschiedlicher wissenschaftlicher Qua-lität, da sie sich in der Palette von handfesten historischen Untersuchungen bis zureinen Handarbeitsanleitungen bewegen, so werden sie aber auf alle Fälle all jeneergötzen, die Freude an schönen Stickereien haben und Vorlagen für eigenes Wer-ken suchen.
Margot Schindler
Rainer Wehse( Hg.), Märchenerzähler Erzählgemeinschaft. Kassel, ErichRöth, 1983, 184 Seiten( Veröffentlichungen der Europäischen Märchengesell-schaft, Band 4).
Wolfdietrich Siegmund( Hg.), Antiker Mythos in unseren Märchen. Kassel,Erich Röth, 1984, 200 Seiten( Veröffentlichungen der Europäischen Märchenge-sellschaft, Band 6).
Jürgen Jannings und Heino Gehrts( Hgg.), Die Welt im Märchen. Kassel, ErichRöth, 1984, 188 Seiten( Veröffentlichungen der Europäischen Märchengesell-schaft, Band 7).
Die Veröffentlichungsreihe der Europäischen Märchengesellschaft, die in denletzten Jahren besonders aktiv war und zu einem der größten eingetragenen Vereinein der Bundesrepublik angewachsen ist, ist zu einem stattlichen Kompendium derMärchenforschung herangereift: Neben den Themenkomplexen ,, Das Menschenbildim Märchen“ und„ Gott im Märchen“, Felix Karlingers wichtigen„ RumänischenMärchen außerhalb Rumäniens" sowie dem Grimm- Band ,, Hessen- Märchenlandder Brüder Grimm“, liegen nun drei weitere Sammelbände vor, die man sich aus derMärchenforschung nicht gern wegdenken möchte. Eigentlich sieht man es diesen
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