ein guter und hilfreicher. Einfall, dem kostümkundlichen Abschnitt einen allgemei-nen kulturhistorischen Abschnitt über die soziale, wirtschaftliche und geistige Situa-tion zur Zeit Fürsterzbischofs Colloredo voranzustellen, den der Historiker Rein-hard R. Heinisch verfaßte. In dem gleichzeitigen Nebeneinander von Unzeitge-mäßem und Modernem spiegelt sich der durch die Aufklärung hervorgerufeneUmbruch in den Bildern wider. Es werden verschiedene Bruderschaften, Büßer undKreuzzieher dargestellt,„ veraltete Charwochs Sitten", die nicht mehr gestattet wer-den, Brauchgestalten und Hochzeiter in„ historischen“ Kostümen und danebenkirchliche und weltliche Standespersonen in zeitgemäßer Kleidung. Prodingerspricht in diesem Zusammenhang richtigerweise nicht von Tracht, sondern vonGewand, an dem der jeweilige Stand abzulesen ist. Während etwa der schwarze Florum 1790 am Land noch allgemein getragen wird, ist er in der Stadt nur noch bei denuntersten Schichten zu beobachten. Die Herren von Stand bevorzugen dasRüschenjabot. Der weiße Rundkragen, den man bei der Percht oder bei den altenHochzeitskostümen feststellt, ist hingegen noch ein Rudiment aus dem 17. Jahrhun-dert. Prodinger analysiert auf diese Weise jeden einzelnen Kostümteil bei Männernund Frauen in Stadt und Land. Bei der Gliederung ergibt sich hiebei allerdings einBruch, da im Abschnitt über die Kostüm- und Trachtensituation im ausgehenden 18.Jahrhundert nur die Geistlichkeit, Universität, Militär, Bürgergarde und das Hof-personal, also die obere Gesellschaftsschichte der Stadt Salzburg behandelt werden,die übrigen Stände aber unter das Kapitel Kostümeinzelheiten fallen. Dafür werdenin diesem Kapitel die Hochzeitstrachten und Hochzeitssitten auf dem Land, die Klei-derformen der Trauer in Stadt und Land und die Brauchfiguren und ihre Kostümeextra hervorgehoben.
Wir sind jedenfalls sehr dankbar für dieses Buch, da es mehrere Gesichtspunkteeröffnet. Es läßt die Salzburger Gesellschaft am Ausgang des 18. Jahrhundertslebendig vor Augen erstehen und vermittelt tiefe Einsichten in die Kostüm-geschichte. Für die Volkskunde stellte die Kuenburg- Sammlung darüber hinaus abereine einzigartige Bildquelle zum Kult und Brauch der damaligen Zeit dar. Ein wich-tiges und schönes Buch, das der Autorin und damit der Volkskunde ein gutes Zeug-nis ausstellt.
Franz Grieshofer
Regina Forstner, Kreuzstichmuster aus der Biedermeierzeit mit Fotosvon Gerhard Trumler. Rosenheimer Verlagshaus, 1983, 93 Seiten, mit zahlreichenfarbigen Abb. und Musterzeichnungen.
Irmgard Gierl, Stick- und Webmuster des Frühbarock. Tiere, Pflanzen undOrnamente. Rosenheimer Verlagshaus, 1983, 119 Seiten, zahlreiche, zum Teil far-bige Abb. und Musterzeichnungen.
Irmgard Gierl, Festliche Stickereien in Kreuzstich. Rosenheimer Verlags-haus, 1984, zahlreiche Abb. und Musterzeichnungen.
Frieda Pollak- Sorer, Alt- Wiener Stickmuster. Rosenheimer Verlagshaus,1985, 94 Seiten, zahlreiche farbige Abb. und Musterzeichnungen.Elly Koch, Schweizer Kreuzstichmuster aus dem Bergell, Engadin,Safiental und anderen Graubündener Tälern. Rosenheimer Verlags-haus, 1982, 127 Seiten, zahlreiche, zum Teil farbige Abb. und Mustervorlagen.
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