buch von V. Frolec und J. Vařeka sprechen, die mit vorzüglichem volkskundlichemSinn die verschiedensten Materien und Formen der slowakischen und tschechischenVolksarchitektur bearbeitet haben. Die Stichwörter erstrecken sich auf die Sied-lungs- und Hofformen, die Haustypen, die verschiedenen Bauelemente( Grundriß,Dachformen, Mauern, Öfen, Feuerstätten), die Tore und Nebengebäude( Stall,Scheune, Bienenhaus, Speicher, Keller usw.). Die Verfasser widmen ihre Aufmerk-samkeit auch den volkskünstlerischen Eigenarten des Bauwesens, der formgestal-tenden Wirkung gesellschaftlicher Faktoren( Großfamilie, Arbeiterklasse) undbehördlicher Maßnahmen sowie den gemeinschaftlichen Backöfen und Scheunen.Mehrere Stichwörter beziehen sich auf die Inneneinrichtung und Raumeinteilungdes Wohnhauses und der Stube. Im Buch finden sich zahllose Hinweise auf die Hir-tenbauten, die Beziehungen zwischen den historischen Stilen und der Volksarchitek-tur, die Möglichkeit der Altersbestimmung von Dorfgebäuden, die tschechischenund slowakischen Volksbauforscher, Museen und Vereine. Begriffe, wie Wörter undSachen, gesunkenes Kulturgut, kartografische Methode usw., entgehen ebensowe-nig der Aufmerksamkeit der Verfasser wie die mundartlichen Terminologien. Beider Ausarbeitung der einzelnen Stichwörter wurde auch die deutschsprachige Fach-literatur( A. Haberlandt, V. Geramb, Br. Schier, F. Lipp usw.) berücksichtigt. Fürden praktischen Gebrauch des Wörterbuches wäre es förderlich gewesen, hätten dieVerfasser auch die deutsche Übersetzung der Stichwörter angegeben( z. B. čtyřbokýdvůr ,, Vierkanthof“, dlouhý dům„ Langhaus“, franský vliv„ fränkischer Einfluß",srub, sroubek„ Speicher, Kammer“, výroba vápna„ Kalkbrennerei“). Dies könntenoch in einem Ergänzungsheft nachträglich nachgeholt werden.
Wir begrüßen allemal dieses Werk mit aufrichtiger Freude als ein unentbehrlichesHandbuch der mittel- osteuropäischen Wohnhausforschung.
Béla Gunda
Friederike Prodinger und Reinhard R. Heinisch, Gewand und Stand. Kostüm-und Trachtenbilder der Kuenburg- Sammlung. Salzburg- Wien, Residenz- Verlag,1983, 207 Seiten, 96 Farbtafeln, 110 Schwarzweißabbildungen.
Der Kuenburg- Sammlung haftete wohl so etwas wie ein legendärer Ruf an. Jederan Trachten- und Brauchforschung Interessierte stieß irgendwann einmal daraufoder wußte zumindest um ihre Existenz, ohne sich eine rechte Vorstellung vonUmfang und Inhalt derselben machen zu können. Einzelne Blätter kannte manbereits aus der Literatur, die Springpercht etwa oder das tanzende Pinzgauer Paar,andere Darstellungen fand man in einem Kalender abgebildet. Dabei konnte mannicht sicher sein, ob es sich um Abbildungen von Originalen oder von Kopien han-delte. So besitzt die Familie Kuno Brandauers Kopien, die schon für eine Wahlwer-bung gedruckt wurden, und natürlich das Salzburger Museum Carolino Augusteum,dem gewissermaßen die Stelle eines Nachlaßverwalters der Kuenburg- Sammlungzukommt.
Die langjährige Leiterin der Volkskundeabteilung und nachmalige Direktorin desSMCA, die in ihren Arbeiten ja schon mehrfach auf die Sammlung zurückgreifenkonnte, hat sich nun der verdienstvollen Aufgabe unterzogen, die gesamte Samm-lung in einer beispielhaften Edition einem größeren Publikum zugänglich zumachen. Dafür sei ihr vorab gedankt. Der Dank gilt aber auch dem ungenannt
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