Volume 
88 (1985) / N.S. 39
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

und Hörern ihrer Lehrveranstaltungen im Wintersemester 1982/83( Marburg a. d.Lahn). So soll auch bemerkt werden, daß gerade bei Weber- Kellermann in den letz-ten Jahren eine Vielfalt volkskundlicher Dissertationen zum Thema ,, Frau entstan-den ist und sie somit auch durch ihre Lehrtätigkeit als die große Vorläuferin diesesForschungsbereiches gelten kann.

Bilder des weiblichen

Im vorliegenden Band vermittelt Weber- Kellermann ,,Alltags- und Durchschnittslebens...", da die gegenwärtige Reflexion überFrauen und der Kampf gegen traditionelle Rollenzuweisungen(...) der histori-schen Rückverfolgung zu den Quellen und zu den Entwicklungsstufen dieser Tradi-tionsmuster( bedarf)". So finden wir auch immer wieder Auseinandersetzungen mitden Familien- und Gesellschaftstheorien W. H. Riehls in den Text verwoben, dieauch die Herkunft und Entstehung seines Rollenbildes der Frau erläutern. Die Dar-stellung der, Frauenleben" wird in vier zeitliche Epochen( Empire und Romantik,Biedermeier, Gründerzeit- Ausblick auf den Ersten Weltkrieg) gegliedert, jede derEpochen umfaßt vier soziale Gruppen in Einzeldarstellungen( die Damen des Adelsund des Großbürgertums, die bürgerlichen Hausfrauen, Dienstmägde und Arbeite-rinnen, die Landfrauen). Alle Zustandsbilder werden dabei mit ihren gesellschaftli-chen, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründen erläutert. Als wesentlichenVorläufer unserer heutigen Gesellschaftsordnung und damit der Stellung der Frauim 20. Jahrhundert zeigt Weber- Kellermann die Trennung von Arbeitsplatz undWohnstätte in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auf, die zur Auflösung des, gan-zen Hauses" und damit zu einer neuen Stellung der Frauen führte. Besonders deut-lich sind diese Veränderungen im aufsteigenden Bürgertum und, in anderer Form,im Arbeiterstand bemerkbar.

Gleichzeitig begann im 19. Jahrhundert eine Annäherung der Lebensformen derFrauen verschiedener sozialer Schichten, die den Stand des Bürgers als Inbegriff desneuen gesellschaftlichen Wertsystems hochhielt. Mit der Wende zum 20. Jahrhun-dert wurden die Veränderungsprozesse sichtbar, die Frauen lösten sich immer mehraus ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abhängigkeit und begannen aufeinem langen mühsamen Weg(...) zu jener realistischen Hälfte der Gesellschaft zuwerden, die sie doch tatsächlich darstellen".

Zur Aufmachung des Buches selbst kann noch gesagt werden, daß es ein hervorra-gend gegliedertes, übersichtliches Sachbuch darstellt, das als grundlegende Einfüh-rung in das Thema gelten darf. Die optische Auflockerung durch zahlreiche quali-tätsvolle Abbildungen und der flüssige Wechsel von Quellen und Kommentaren las-sen das Werk auch für interessierte Laien zu einem informativen und erfreulichenLesestoff werden. Die Notwendigkeit, auch die Frau als Forschungspunkt der Volks-kunde zu sehen, dürfte es hinreichend begründen.

Ulrike Aggermann- Bellenberg

Václav Frolec/ Josef Vařeka, Lidová architektura. Encyklopedie( Wörterbuchder Volksarchitektur). Prag, Verlag SNTL und ALFA, 1983. 359 Seiten, 452Abbildungen und Fotos.

Eine inhaltliche Rezension dieses Wörterbuches mit seinen Hunderten von Stich-wörtern ist nachgerade unmöglich; um so dringender scheint uns aber die Würdigungseiner Bedeutung. Nur im Ton höchster Anerkennung kann ich über das Wörter-

196