Befragung und Beobachtung besonders die traditionell starke Religiosität auf, diesich auch in der Gestaltung von Festen und Bräuchen immer wieder manifestiert, jaals Charakteristikum der Volksgruppe gesehen wird. Als bezeichnend für den Man-gel an Berührungsängsten kann auch das Faktum gesehen werden, daß zuziehendeDeutschsprachige Kroatisch lernen(„ umgekehrte Assimilation“), was hingegen inKärnten nur äußerst selten vorkommt. Kroatische Organisationen haben auch meistkulturellen Charakter, wogegen solche der Slowenen meist ausgesprochen politischeZielsetzungen aufweisen. Die kleine Gruppe der Ungarn im Burgenland verfügt,laut Untersuchung, über ein kaum entwickeltes Konfliktbewußtsein. Im Wunsch,den Anschluß an den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu verlieren,wird die deutsche Sprache zur unbedingten Notwendigkeit.
Abschließend führen die Autoren elf Thesen zur Assimilation an. Assimilationwird als Symbolwechsel bzw. Wechsel des Bezugrahmens gesehen und ist daherweder ein unvermeidbarer noch ein grundsätzlich destruktiver Prozeß. Die Fragenach den Mechanismen der Assimilation bzw. nach der Artikulation der ethnischenIdentität wird von den Autoren als zentrale Problemstellung ihres Projekts gesehenund von ihnen mit wohltuender Unparteilichkeit zu erfassen versucht.
Eva Kausel
Ingeborg Weber- Kellermann, Frauenleben im 19. Jahrhundert. Empireund Romantik, Biedermeier, Gründerzeit, Ausblick auf den Ersten Weltkrieg.München 1983, 245 Seiten.
,, Frauenbücher“ und„ Frauenforschungsprojekte" sind derzeit bei den Volks-kundlerinnen, aber auch bei den Wissenschafterinnen der Nachbardisziplinen„, inMode". Dies bestätigte auch der erste Kongreß der Arbeitstagung Frauenforschungvom 1. bis 4. November 1984 in Tübingen, der zahlreiche, internationale Interessen-tinnen zusammenströmen ließ und ein umfangreiches, differenziertes und interdiszi-plinäres Vortragsprogramm bot.
In diesem Zusammenhang ist auf das hier genannte Buch hinzuweisen; genausoauf die beiden vorangegangenen Werke„ Die deutsche Familie“, Frankfurt 1974,und ,, Die Kindheit“, Frankfurt 1979. In diesen Arbeiten gelingt es Ingeborg Weber-Kellermann in objektiver Wissenschaftlichkeit und ohne emanzenhafte Emotionenvolkskundlich- kulturgeschichtliche Phänomene mit ihren Hintergründen und Aus-wirkungen darzustellen. Den vorliegenden Band„ Frauenleben im 19. Jahrhundert"könnte man als eine umfassende Zusammenstellung von Quellen mit Kommentarenansprechen. In sehr geschickter Auswahl und abwechslungsreicher Reihung läßtWeber- Kellermann verschiedene Quellen für sich sprechen und versieht die einzel-nen Zitate mit erläuternden, zusammenfassenden oder vergleichenden Besprechun-gen, die von umfassenden historischen, wirtschafts- und kulturgeschichtlichenKenntnissen zeugen. Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Biographien, Verordnun-gen, Zeugnisse, Literarisches, Anstandsbücher usw. sowie Fotografien, künstleri-sche Porträts und Gemälde, Populärgrafik, Karikaturen und Sachgüter geben einauthentisches Bild der Frauen verschiedener Gesellschaftsklassen im 19. Jahrhun-dert. Weber- Kellermann ist mit diesem Buch eine umfassende soziokulturelle Dar-stellung geglückt, die wesentliche Grundlage für weitere Forschungen über Frauensein sollte. Das Werk entstand in Zusammenarbeit und Diskussion mit Hörerinnen
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