Bauwesen: Unter„ Denkmal" sind Erscheinungen der festlichen Architektur, Por-tale, Rechtsdenkmäler, Platz-, Straßen- und Flurdenkmäler behandelt. Im Profan-wie Sakralbau kommen„ Decke“ und„, Deckenmalerei" gleichermaßen gestalterischzum Tragen. Gemäß der großen Bedeutung des Bauelements ,, Dach" ist der gleich-namige umfangreiche Artikel sogar bebildert und schließt für den Bereich Mittel-und Westeuropa städtische und ländliche Wohnhäuser erfreulicherweise ein( Dach-form, Dachstuhl, Dachdeckung, Dachrinne).
Das günstige Konzept des Lexikons tritt auch an Hand derjenigen umfangreichenArtikel zutage, die etwa zu Personen(„ Dante Alighieri") und zur Länder- oderLokalgeschichte( wie„ Cornwall",„ Dalmatien“, Dänemark“,„ Danzig“,„ Dau-phiné“ und insbesondere„ Deutschland") gehaltvolle Einführungen mit reicherBibliographie geben. In gleicher Weise werden auch weitläufige Sachthemen(„ Deutsche Literatur“,„ Deutsche Sprache“,„ Deutschenspiegel“,„ DeutschesRecht“,„ Corpus iuris civilis“ oder„ Corpus iuris canonici") sowohl straff als auchinformativ dargeboten. Im Gegensatz zum heute speziell auf Politikern lastendenImage des„ Multifunktionärs" betrifft das mittelalterliche Pendant(„, cumulatiobeneficiorum") vor allem kirchliche Würdenträger.
Helmut Hundsbichler
Laografia XI( 1934-37), 739 Seiten und XII( 1938-48), 682 Seiten. NachdruckAthen 1983.
Die griechische Gesellschaft für Volkskunde hat sich seit Jahren nun schon ent-schlossen, die lange vergriffenen Bände ihres traditionsreichen Periodikums Laogra-fia systematisch nachdrucken zu lassen; die erste Serie dieses Unternehmens um-faẞte die ersten drei Bände, die von Nikolaos Politis redigiert waren( ÖZV XXX/ 84,1981, S. 210 f.). Die vorliegenden Nachdrucke umfassen die schwierigen Vorkriegs-,Kriegs- und Bürgerkriegsjahre; die Verantwortung für die Redaktion hat StilponKyriakidis, Schüler von Politis, wie auch Georgios Megas( der spätere Redaktor derLaografia bis 1976), in Thessaloniki gehabt. Die beiden Bände, in denen Kyriakidisauch unzählige Buchbesprechungen veröffentlicht hat, weisen ihn in Themenaus-wahl, Materialstrukturierung und Methodenhorizont als Nachfolger von Politis aus,ebenfalls an den Forschungsvorbildern der damaligen deutschen Volkskunde orien-tiert, gleich wie Georgios Megas, der mit dem 14. Band 1952 die Redaktion der Lao-grafia übernimmt und sie nun in Athen, wie anfänglich auch Politis, herausgibt.Kyriakidis gehört, wie eben Politis und auch Megas, und dies ist aus beiden Bändendeutlich abzulesen, ebenfalls der„, romantischen" Schule des Kontinuitätsdenkens an( dies gegen A. Kyriakidu- Nestoros, die in ihrem Buch„ Theoria tis ellinikislaografias, Athen 1978, versucht, Kyriakidis aus heutiger Sicht eine differente Posi-tion zuzuweisen).
Jeder Band besteht aus zwei bis drei Heften, die jeweils einen Abschnitt mit Stu-dien ,,, Miszellen“( Materialveröffentlichungen), Buchbesprechungen und eventuel-le Akten des Volkskundevereins, oder Fragebogen und dergleichen umfassen. Dererste Band setzt mit einer umfangreichen Studie in deutscher Sprache zum Lehr-gedicht des Markos Defanaras( 1543) von S. Karaiskakis ein( S. 1-66), eine rein phi-lologische Arbeit zur mittelgriechischen Volksliteratur, führt mit einer interessantenStudie zu Feldwirtschaft und Viehzucht Zyperns fort( S. 67-111, mit vielen
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