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88 (1985) / N.S. 39
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Neuaufstellung des Trachtensaales im SteirischenVolkskundemuseum

Im Steirischen Volkskundemuseum wurde am 7. Mai 1985 der berühmte, 1938 vonViktor von Geramb angelegte Trachtensaal wiedereröffnet. In den letzten Jahrenmußte der Saal der Öffentlichkeit leider vorenthalten werden, da er nach fast 50jäh-rigem Bestehen in einem sehr desolaten Zustand war. Neben der Frage der Restau-rierbarkeit der Objekte stellte sich auch die Frage, ob vom heutigen Standpunkt dermusealen Präsentation eine Wiedererrichtung des Saales vertretbar sei. Nach vielenfachlichen Diskussionen entschloß sich Frau Dr. Maria Kundegraber, die Leiterindes Steirischen Volkskundemuseums und einstige Assistentin und Schülerin Viktorvon Gerambs, den Saal unter den nachfolgenden Gesichtspunkten wiedererstehenzu lassen.

Bei seiner Errichtung galt der Trachtensaal als sehr modernes Beispiel musealerPräsentation, als eine Art, lebendiger Lehrsammlung. Viktor von Geramb wolltedie Erkenntnisse des Steirischen Trachtenbuches"( das in Gemeinschaftsarbeit mitKonrad Mautner entstanden war und von Geramb 1932 herausgegeben wurde) ein-fach und lehrreich dem breiten Publikum zur Kenntnis bringen. So stellte er diewesentlichen Trachten der Steiermark in zeitlicher Abfolge auf lebensgroßen, vonAlexander Silveri geschnitzten Holzfigurinen aus. Die historische Reihe reichtedabei von der Hallstattzeit bis ins 19. Jahrhundert. Neben der Abfolge zeittypischerTrachten finden wir auch den Vergleich verschiedener Standes-, Arbeits- und Fest-trachten. Dadurch werden, leicht faẞbar, alle jene Bedingungen aufgezeigt, die einGewand erst zur Tracht werden lassen.

Bei den Trachten frühester Zeiten war die Präsentation von Originalen nicht mög-lich, so griff man zu Rekonstruktionen, die nach den vielen von Geramb gesammel-ten( und ebenfalls ausgestellten) Bildquellen angefertigt wurden.

Bei der Wiedererrichtung des Trachtensaales wurde der Grundgedanke Gerambsbeibehalten, die Aufstellung wurde allerdings vom ästhetischen Gesichtspunkt herverbessert.

Gleichzeitig wurde die Sammlung durch eine gegenwärtige bäuerliche Arbeits-tracht ergänzt und so die Gegenwart einbezogen. Eine weitere Ergänzung soll dasProblem der Trachtenpflege und Trachtenerneuerung unserer Tage bewußt machen.Als letztes Stück wurde der Sammlung ein erneuertes Heimatwerkdirndl beigege-ben, das als modernes Festtagskleid gelten soll. Dem Besucher soll dadurch verdeut-licht werden, daß diese heute getragenen ,, Trachten" Kleidungsstücke nach histori-schem Vorbild, nicht aber authentische historische Trachten sind. Dennoch könnenwir auch hier, vom Verwendungszweck und der Art des Tragens ausgehend, eineneue ,, Standesgruppe" als Träger finden. Jene Menschen, die durch erneuerteTrachten- Kleidung Traditions- und Heimatbewußtsein dokumentieren wollen.

Angereichert wurde die Trachtensammlung durch einen repräsentativen Quer-schnitt an trachtlichem Beiwerk jeder Art.

Besonders erwähnenswert sind die restauratorischen und konservatorischen Maß-nahmen, die mit der Wiedererrichtung des Trachtensaales notwendig wurden. Dieeinzelnen Ausstellungsstücke wurden nach modernsten Gesichtspunkten imMuseum selbst restauriert und konserviert. Auch der Trachtensaal selbst wurde nachneuesten Erkenntnissen renoviert und seiner Aufgabe gemäß ausgestattet.

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