,, Mit uns zieht die neue Zeit"
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das Kleidungsverhalten vonWandervogel und Studentenbewegungim Vergleich
Von Marion Grob
Kleidung als kulturelles Zeichen für eine bestimmte Sozial-schicht, eine regional begrenzte Volksgruppe bis hin für einenbestimmten Berufsstand oder ein Alter ist in der deutschen Volks-kunde ein vielfach untersuchter Gegenstand, z. B. in der Kostüm-geschichte( vgl. Thiel, 1973, 1980; Weber- Kellermann, 1979, 1983).Das Kleidungsverhalten jugendlicher Protestgruppen im 20.Jahrhundert allerdings wurde in der Kleidungsforschung nicht odernur am Rande, wenig profund, behandelt.
Das galt auch für den Wandervogel und die Studentenbewegung,die ich dann als exemplarisch für jugendliche Protestgruppen im 20.Jahrhundert im meiner Dissertation( 1984) untersuchte. Geradediese beiden Bewegungen zu erforschen, bot sich u. a. aus folgen-den Gründen an: Beide entstehen aus dem Blickpunkt der Zeitge-nossen betrachtet„ unerwartet“, insofern wirtschaftliche Prosperi-tät und politische Stabilität ungebrochen schien, sowohl im Wilhel-minischen Reich(„, wir sind wer") als auch in der bundesrepublika-nischen Wirtschaftswundergesellschaft der sechziger Jahre(„, wirsind wieder wer“). Beide Bewegungen verstehen sich nicht alsJugend organisierter gesellschaftlicher Gruppen, wie Kirchen oderParteien, sondern als„, autonom“. Wandervogel( 1901 bis 1918) undStudentenbewegung( ca. 1966 bis 1970) können in ihrer spezifi-schen Ausprägung als relative„ Einheit“ begriffen werden. Hiervonkann im Fall der Nachfolgebewegungen nicht die Rede sein: Drückt
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