an, etwa die sogenannten Planetenkinderbilder des 15. Jahrhunderts. Die Idee, zweiExtreme der Lebensführung einander bildlich gegenüberzustellen, hat übrigensBruegel selbst in inhaltlich verwandten Darstellungen modifiziert, nämlich in seinenStichen der„ Todsünden“ und der„ Laster"( 1558 bzw. 1560) sowie der„ FettenKüche und der„ Mageren Küche"( 1563). Hinzu kommen brauchtümliche Erschei-nungsformen wie die vielerorts belegten Winter- Sommer- Kämpfe und bestimmteFormen des mittelalterlichen Umzugwesens. Auch eine Verfremdung des Turnier-gedankens erscheint naheliegend. Schließlich können auch die mittelalterlichenStreitgedichte,-lieder und-spiele nachgewirkt haben, so der Streit zwischen Wasserund Wein oder das Streitgespräch zwischen Leib und Seele sowie nicht zuletzt die im16. Jahrhundert blühende„ Narrenliteratur".
Einen Großteil ihrer Arbeit widmet die Autorin der interpretierenden Bild-beschreibung. Darin geht sie den im Gemälde enthaltenen Objektivationen undSubjektivationen des flämischen Volkslebens nach und macht auf diese Weise derVolkskunde einen weiten Fundus erstrangiger Materialien zugänglich.
Helmut Hundsbichler
Thomas und Helene Finkenstaedt, Die Wieswallfahrt. Ursprung und Ausstrah-lung der Wallfahrt zum Gegeißelten Heiland. Regensburg, Verlag Pustet, 1981,192 Seiten mit vielen Abb.
Die Wallfahrt„ zum Gegeißelten Heiland" auf der Wies unweit des ehemaligenPrämonstratenserstiftes Steingaden, das auch bis zur Säkularisation die Wallfahrtbetreute, erhielt durch die beiden Bearbeiter nunmehr eine großartige Darstellung.Neben dem vorliegenden Werk wurden nämlich in einfacher Produktion noch zweiweitere Bände herausgegeben, und zwar„ Der Wies- Heiland. Seine Devotional-Kopien und verwandte Andachtsbilder des Christus an der Geißelsäule" in Katalog-form, und„ Materialien zur Wieswallfahrt", ebenfalls erschienen 1981 in den Veröf-fentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte als Nummer 9 und 10. Sie stel-len eine wertvolle und für den Wallfahrtsforscher geradezu unentbehrliche Ergän-zung dar, nicht zuletzt auch deshalb, da in diesen beiden Bänden der gesamte wissen-schaftliche Apparat für das vorliegende Werk enthalten ist. Es ist daher für sichallein gesehen nur ein Torso, auch wenn die Ausführungen darin noch so gut undinteressant sind.
Das erste Kapitel behandelt den Ursprung des Gnadenbildes, wobei das Gnaden-bild in die Passion bzw. in die Passionsdarstellungen in der Kunst eingebunden wird.Diese Vorbemerkungen sind notwendig für das Verständnis der Tatsache, daß ein ansich künstlerisch unbedeutendes Werk nicht nur ein großartiges Kunstwerk, dieWieskirche von Dominikus Zimmermann, verursachte, sondern in unzähligenKopien verbreitet wurde, von denen wiederum nicht wenige Wallfahrtsfiliationenwurden.
In dem zweiten Teil werden das Tränenwunder von 1738, das Gnadenbild, dieAnfänge der Wallfahrt, die verschiedenen Gnadenbüchlein(„, Gnadenblum“), dieals besonders wertvolle Quelle entsprechend ausgewertet werden, die Gnadener-weise und schließlich die Wallfahrer dargestellt. Dabei können nicht nur die Her-kunftsorte bzw.-länder, sondern vielfach auch der Stand der Wallfahrer angegebenwerden.
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