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88 (1985) / N.S. 39
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,, Cîntecu fetii ş'al bäiatului" etwa in Form eines Zwiegesprächs, wobei die Flöten-melodie des Mädchens von jener des Burschen nicht nur abweicht, sondern einenKontrast bildet.

Die meisten Balladen benötigen nicht ganz 100 Verszeilen, einzelne kommen frei-lich nahe an 600 Zeilen heran. Man sieht, wie die Breite einer Darstellung sowohlvom Stoff wie auch vom Sänger und seiner Gestaltungskraft abhängen, wobei zumaldie Gewichtung des Monologs und des Dialogs eine Rolle spielen.

Insgesamt bringt der Band einen wertvollen Beitrag für eine genauere Kenntnisder rumänischen Ballade und ist nicht nur ein weiteres Buch zu einer bereits durchzahlreiche Publikationen vertretenen Volksliedkunde.

Felix Karlinger

Elke M. Schutt- Kehm, Pieter Bruegels d. Ä. Kampf des Karnevals gegen dieFasten als Quelle volkskundlicher Forschung(= Artes Populares. Studia ethno-graphica et folkloristica, Band 7). Frankfurt am Main- Bern- New York, 1983.224 Seiten, 30 Abb., Bibliographie.

Pieter Bruegel d. Ä.( 1569) hat in der Beurteilung durch die Nachwelt sehrunterschiedliche Phasen durchgemacht. Bei seinen Zeitgenossen und den folgendenGenerationen erfreute er sich höchster Beliebtheit und Achtung. So ist es seiner Ver-ehrung durch den in den Niederlanden 1563 bis 1595 regierenden habsburgischenHerzog Ernst von Österreich zuzuschreiben, daß der Kampf des Karnevals gegendie Fasten" seinen heutigen Standort Wien( Kunsthistorisches Museum) gefundenhat. Allerdings sank Bruegels Wertschätzung bis ins 19. Jahrhundert stark ab, mansah ihn nunmehr als eher plumpen, vordergründigen Schilderer von Sitten undGebräuchen seiner Heimat( ,, Bauern- Bruegel").

Die von der Autorin herausgearbeiteten kompositionellen, formalen und geistig-traditionellen Zusammenhänge weisen jedoch nach, daß der Kampf des Karnevalsgegen die Fasten" um vieles subtiler konzipiert ist, als es dieses Vorurteil erwartenließe. Der Künstler entrollt hier das umfassende Bild jener Tage an der Wende vomWinter zum Frühling, während der in einmaliger Drastik zwei gegensätzliche Welt-anschauungen, zwei unvereinbare Arten der Lebensführung aufeinanderprallen.Kompositionelles Leitmotiv ist infolgedessen das Prinzip der Antithese: Der Gestaltdes wohlbeleibten Karnevals" steht jene der erbärmlich mageren, Fasten" sym-bolisch kämpfend gegenüber. Die jeweilige Anhängerschaft, die in zahlreichen klei-neren Gruppen gut überschaubar angeordnet ist, agiert in ähnlicher Weise meistgegenläufig: die einen trinkend, trunken, gefräßig, spielend und vorwiegend kostü-miert, die anderen in Ausübung von Fasten, guten Werken und Gebet, den typi-schen Manifestationen frommen christlichen Lebens. Wirtshaus und Kirche erschei-nen als ihre ,, Bollwerke- Symbole für Sünde bzw. Buße( S. 17).

Formal herrschen Vielgestaltigkeit und reiche Detaillierung vor, so daß der,, Kampf des Karnevals gegen die Fasten zu den sogenannten vielfigurigen Gemäl-den Bruegels zählt. In seiner Phantastik ist das Werk dem Vorbild des HieronymusBosch verpflichtet.

Zur geistigen und traditionellen Verankerung der Darstellungsweise führt dieAutorin reichhaltiges Vergleichsmaterial an bildlichen und schriftlichen Vorläufern

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