Die Textausgabe selbst ist durch 250 Anmerkungen gut und hilfreich erklärt; einausführlicher Glossar- Apparat( 48 Seiten) erleichtert das Verständnis des altspani-schen Textes.
Etwas Vergleichbares wäre auch für unsere Sprache zu wünschen.
Felix Karlinger
Ion Nijloveanu, Balade populare româneşti. Notaţia muzicală de Marin I.Brînaru. Bucureşti, Editura Muzicală, 1984, 676 Seiten.
Ion Nijloveanu, Jos pe Valea Oltului. Cîntece bătrîneşti. Notaţia muzicală deMarin Brînaru. Bucureşti, Editura Muzicală, 1976, 198 Seiten.
Nijloveanu hat sich in erster Linie als Sammler und Forscher auf dem Gebiet derProsa- Volksliteratur einen Namen gemacht, doch zeigen die beiden Ausgaben vonVolksliedern auch eine Souveränität, die beeindruckt. Der ältere Band war mir sei-nerzeit entgangen, und es sei hier nur kurz auf diese Sammlung verwiesen.
Wesentlich umfangreicher und auch inhaltlich ausgereifter wirkt der neue Band,der im Anhang auch Fotos der Volkssänger und ausführliche Informationen nichtnur biographischer Art, sondern über ihre Eigenarten enthält. Insgesamt 219 Balla-den samt ihren Melodien wurden hier vorgelegt.
Die Gliederung erfolgt nach herkömmlichen Gesichtspunkten: Nach den Inhaltenmit mythischen, sagenhaften, heldenhaften und historischen Zusammenhängensowie nach hirteneigenen und familienbezogenen Texten. Fast 50 Seiten umfaßt diegescheite und gut eingeteilte Einleitung, die sich nicht in Phrasen ergeht, sondern ankonkreten Beispielen in die Eigenart der rumänischen Balladen Zugang bietet.Tabellen verschaffen dabei Einblicke in morphologische Probleme, Melodieverglei-che lassen bestimmte Typen hervortreten.
Die Aufnahmen stammen aus der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, und mit demälteren Band, der als eine Art Vorläufer gelten darf, bestehen Zusammenhänge.Nijloveanu erklärt auch seine Technik der Transskription, die auf die lokalenphonetischen Eigenheiten Rücksicht nimmt. Auf diakritische Zeichen hat er ver-zichtet, das wird zwar der Fachmann bedauern, doch werden dadurch die Texteleserlicher und verständlicher. Gerade die rumänischen Dialekte bieten bei der Nie-derschrift mancherlei Schwierigkeiten, die hier jedoch gut gelöst sind. Man muß frei-lich die Erklärungen von Nijloveanu gelesen haben, um sich ein exaktes Bild von derAussprache machen zu können.
In seinem Band„ Basme populare româneşti“ hatte Nijloveanu einige Mär-chenaufnahmen von Motiven veröffentlicht, die bisher nur als Balladen bekanntwaren; im vorliegenden Werk nun begegnen wir umgekehrt einigen aus der Volks-prosa vertrauten Stoffen in Balladenform. Das zeigt einerseits die Faszination, dievon bestimmten Motiven ausgeht, und andererseits auch die Gestaltungsbreite derSänger und Erzähler.
Der Band enthält aber auch Überraschungen! Daß Balladensänger oft aus demSingen heraus in gesprochene Rezitation übergehen können, weiß jeder, der balka-nische Balladen gehört hat. Hier aber finden wir auch Lieder mit einer Prosa- Ein-leitung und Erzählungen mit Einlagen von Instrumentalspiel, wie auf Seite 504
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