Das Werk wird durch ein ausführliches Ortsnamen-, Personen- und Sachregisterergänzt, wodurch wir uns über den Inhalt von vielen Hunderten Dokumenten mühe-los orientieren können. Im Sachregister wird das Material des gesellschaftlichenLebens, der Sachkultur und der Folklore getrennt behandelt. Hier nur einige Stich-wörter: Fluchtformel, Asyl, Behexung des Geflügels, Hexe in Tierform( Kröte,Stier, Büffel, Wolf, Hund, Wiesel, Trappe usw.), Agnoszierung der Hexe, die Hexeborgt etwas aus( Bohnen, Brot, Joch, Butter usw.), Behexung der Säuglinge,Zaubermittel, wie Gerste, Schweinsgalle, Wolfsleber, Wolfssehne, Wolfszahn,Brot, Hirse, Messer, Spindel, Milch, Butter, sowie zauberträchtige Feiertage, wieder St.- Georgs- Tag und andere. Mit Hilfe eines Wörterbuches sind die Stichwörterdes ausführlichen Sachregisters mühelos zu übersetzen, und so kann der Fachmannauch ohne ungarische Sprachkenntnisse den reichen Inhalt des Buches kennenler-nen. Zur Veranschaulichung hier nur einige Beispiele aus den Hexenprozessen: DerViehhirt Gregor Oberman( Nahring, Kom. Vas) sagt vor Gericht aus( 1653), wenneiner den Staub des Wirbelwindes in das Haus seines Widersachers werfe, dann liefeder Widersacher davon. Bestreue man aber die in den Wagen eingespannten Pferdemit solchem Staub, dann liefen die Pferde so lange, bis sie umkommen. GregorOberman schützt das auf der Weide gebliebene Vieh vor dem Wolf, indem er dasvom Teufel erhaltene Hängeschloß jeden Abend im Namen des Vaters, des Sohnesund des Heiligen Geistes zusperrte; dadurch habe er den Rachen des Wolfes zuge-sperrt( Bd. II, S. 719). In einem Prozeß in Burg Stadt Schlaining( 1648) eröffnet dieCatarina Augustin Jighin( Badersdorf) den Richtern, wie sie der Kuh die Milch weg-nimmt: Sie bohre ein Loch in die Schwelle, gieße die Milch hinein und stopfe dasLoch wieder zu. Solches tat sie am St.- Georgs- Tag( Bd. II, S. 711).
Das Werk ergänzt das Material von solchen Lexika, wie das Handwörterbuch desdeutschen Aberglaubens, Slownik folkloru polskiego( Red. J. Krzyzanowski,Warszawa, 1965), The Encyclopedia of Witchcraft and Demonology von R. H.Robbins( New York, 1960). Anerkennung gebührt der Ungarischen Akademie derWissenschaften und ihrem Verlag, dieses hochbedeutende Werk herausgegeben zuhaben, welches auch durch die Hexerei, die Zaubereien und Aberglauben des 16. bis18. Jahrhunderts die engen Beziehungen zwischen der ungarischen und der west-europäischen Volkskultur dokumentiert.
Der frühzeitig verstorbene Verfasser, F. Schram( 1923-1975), war ein hervor-ragender Gelehrter der ungarischen Volkskunde, vorzüglich bewandert im ungari-schen Archivmaterial, der sich hauptsächlich den Volksbräuchen und der Religions-volkskunde widmete. Seine Arbeiten haben auch recht viele deutsche Aspekte.Auch die europäische Volkskunde sollte diesen bescheidenen, hochgebildeten Wis-senschaftler unbedingt in Evidenz halten, der unter äußerst schwierigen Verhältnis-sen Dauerhaftes zu leisten vermochte.
Béla Gunda
Antiker Mythos in unseren Märchen, hrsg. von Wolfdietrich Siegmund(= Ver-öffentlichungen der Europäischen Märchengesellschaft, Band 6). Kassel, ErichRöth- Verlag, 1984, 201 Seiten.
Der Band besteht zum wesentlichen Teil aus den beim Kongreẞ in Ioannina gehal-tenen Referaten. Die Streuung ist dabei beträchtlich, das heißt: Während manche
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