um die Bräuche selbst und ihre Frequenz, sondern er hebt die Institution der Ehe-schließung als wichtigen Indikator gesellschaftlicher Prozesse am Land und in derStadt hervor. Das Studium der Partnerwahl zeigt z. B., daß die alten Sozialstruktu-ren in manchen Gebieten noch bis heute überlebten( soziale und auch ethnischeEndogamie). So ermöglicht dieses Studium Grundtendenzen der ethnischen Inte-gration, respektive Desintegration zu verstehen( im neubesiedelten Grenzgebietz. B.) und bei der Hochzeit selbst, vor allem durch die Teilnehmerzahl in Verbin-dung mit dem Studium des Verwandtschaftsverhältnisses auch die Kontinuität oderDiskontinuität bestimmter Gesellschaftsformen kennenzulernen.
Eine Publikation also, die viel wertvolles Material und Anregungen bringt undaufzeigt, daß an diesem volkskundlichen Paradethema der Vergangenheit es heutenoch einiges zu erforschen gibt.Vera Mayer
Ferenc Schram, Magyarországi boszorkányperek, 1529 bis 1768/Hexenprozesse in Ungarn, 1529 bis 1768. Budapest, Akademischer Verlag, Bd. I:1983, 2. Aufl., 571 Seiten; Bd. II: Budapest 1983, 2. Aufl., 779 Seiten; Bd. III:Budapest 1982, 1. Aufl., 398 Seiten.
In den vorliegenden drei Bänden seines Werkes publiziert F. Schram 569 Urkun-den der ungarischen Hexenprozesse aus der Zeit von 1529 bis 1768. Mehrere- teilsdeutschsprachige-- Urkunden stammen aus dem Burgenland und den benachbartenKomitaten Vas und Sopron. In diesen Prozessen sind die der Hexerei bezichtigtenPersonen und die Zeugen zum Teil deutscher und kroatischer Muttersprache. Ort-schaftsnamen, wie Eisenstadt, Lackenbach, Mörbisch, Rechnitz, Unterloisdorf,Wolfau usw., kommen in den Prozessen zur Sprache. Mit vorzüglichem philologi-schem Sinn und einem europaweiten Ausblick schildert der Verfasser im drittenBand- unter Berufung auf die Prozeßtexte den gesellschaftlichen Status derAngeklagten. Viele derselben sind Hirten und Hirtengattinnen. Ausführlichbeschreibt er, wie sich die Hexen ihr Wissen aneignen; er schildert ihr Äußeres, ihreBräuche, ihr Sittenleben sowie die praktizierten Behexungen und Zaubereien.
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Bis Mitte des 16. Jahrhunderts sind uns aus Ungarn nur 20 bis 25 Hexenprozessebekannt, doch nahm ihre Zahl fortan erheblich zu. Den ältesten Schichten der in denProzessen vorkommenden Glauben und Zaubereien gehören manche Märchen-motive an( z. B. das dem Teufel versprochene Kind).„ Vermutlich“ sind einigeAberglauben die Überreste orientalischen Glossary ::: show glossary-entry orientalischen Schamanentums, wobei allerdings derRezensent der Ansicht ist, daß die Zauberkraft des mit Zähnen geborenen Kindesund das Siebdrehen mit dem Schamanismus nichts zu tun haben, denn beide gehörenzur Glaubenswelt Alteuropas. Zweifellos übte Westeuropa eine nachhaltige Wir-kung auf das ungarische Hexenwesen aus, am besten bewiesen durch die Tatsache,daß die Aberglauben des Malleus maleficarum( 1486)- wie durch F. Schram nach-gewiesen größtenteils auch in den ungarischen Hexenprozessen und den heutigenTraditionen vorkommen. Im Unterschied zu Westeuropa spielt in Ungarn der Teufelallerdings eine eher untergeordnete Rolle. Auffallend ist die weitverzweigte Heil-tätigkeit der ungarischen Hexen sowie ihre umfangreichen Kenntnisse der Heil-kräuter.
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