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88 (1985) / N.S. 39
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bereich ein wichtiger Abschnitt vorgelegt wird, der von Analysen der anthropologi-schen Struktur der Bevölkerung bis zum volkskulturellen Niederschlag reicht.

Evident wird in dieser Studie wieder die Differenz, die zwischen den einzelnenZweigen des landwirtschaftlichen Gewerbes besteht, und die man gemeinhin oft zuleicht in einen Topf wirft. Bauernwesen und Hirtenmilieu zeigen vielfach noch diestarken Spannungen, die in jene Zeiten zurückreichen, da es sich um verschiedenemenschliche Entwicklungsstufen gehandelt hat.

Der Autor bringt nicht nur viel statistisches Material, er greift auch auf archäologi-sche Belege zurück, um die Situation und Funktion zum Beispiel der Hirten- Zivilisa-tion zu verdeutlichen. Die Herstellung spezifischer Erzeugnisse führte auch zur Aus-bildung entsprechender Geräte, deren historische Entwicklung Dunäre mit Akribiedokumentiert.

Wichtig ist auch die Darstellung der Konsequenzen, welche aus der Transmigra-tion der Hirten erwächst: Verschiedene Bauten( und Bauformen) außerhalb derfesten Siedlung wurden notwendig. Sie unterschieden sich vielfach auch nach denAufgaben, welche den im ländlichen Bereich zufallenden Berufen zukommen muß-ten: Feldbearbeitern, Bienenzüchtern, Sammlern, Waldarbeitern und den verschie-denen landwirtschaftlichen Handwerkern.

Das Buch enthält nicht nur wertvolle Karten und Tabellen, sondern ebenso Fotos,die besonders auch über Objekte der Volkskunst informieren. Eine reichhaltigeBibliographie sowie zahlreiche Fußnoten verweisen in Spezialfragen weiter. Demdes Rumänischen Unkundigen hilft ein 9 Seiten umfassendes Resümee in deutscherSprache zu einem Einblick in den Aufgabenbereich des Bandes, der durch seineKompetenz imponiert.

Felix Karlinger

Heidi- Barbara Kloos, Mit Schippe, Pferch und Karren. Ein Wanderschäferauf der Schwäbischen Alb. Stuttgart, Konrad Theiss Verlag, 1983, 104 Seiten, 70Farbfotos von Wolfgang Staiger.

Heidi- Barbara Kloos, Autorin des Textes, ist Redakteurin beim SüddeutschenRundfunk in Stuttgart und aus dem Schäfereibezirk Heidenheim gebürtig. DieseTatsache erklärt wahrscheinlich ihr Interesse an diesem Beruf, der früher in ganzEuropa verbreitet war und heute kaum noch anzutreffen ist. Es ist keine Monogra-phie, keine wissenschaftliche Arbeit über die Schäferei, welche die Autorin vorlegt,sondern eine Studie über einen einzigen Fall, nämlich den siebzigjährigen HansSchnurr, der aus seinem Leben erzählt und den sie Tage hindurch bei seiner Arbeitbeobachtet hat. Es wird gar nicht der Versuch unternommen, Vergleiche zu ziehenoder die Entwicklung eines Berufes aufzuzeigen, sondern ein konkretes Einzel-schicksal wird dargestellt. Dieses steht jedoch auch wieder stellvertretend für einenBerufsstand in seiner gegenwärtigen Ausprägung. Der Wohnwagen hat den Karrenersetzt, der Elektrozaun den Pferch, und die türkischen Gastarbeiter mit ihrerVorliebe für Schaffleisch ermöglichen den Schafzüchtern ein bescheidenes Auskom-men( ,, Wenn die Arbeitslosigkeit no größer wird, und mir die Türka wieder heim-schicka müsset, no kriega mir unser Fleisch nemme los. No kann ma des Handwerkan Nagel hänga".). Es ist ein mühsames Leben, ohne Aussteigerromantik, ohneUrlaub und mit karger Freizeit, mit einem vierzehnstündigen Arbeitstag, aber

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